Nicht jeder Mann, bei dem es einmal nicht zur Erektion kommt, ist impotent, diese Situation kann sich aus vielen Gründen immer einmal ergeben. Definitionsgemäß wird von einer erektilen Dysfunktion gesprochen, wenn es über 6 Monate lang in 75 % der Fälle nicht zu einer Erektion kommt, die einen Geschlechtsverkehr ermöglicht.
Laut des derzeitigen Literaturstandes wird die Häufigkeit bei 40jährigen mit 2 %, bei 55jährigen mit 7 % und bei 65jährigen mit 25 % angegeben. Man geht davon aus, dass in Deutschland ca. 3 bis 4 Millionen Männer von einer erektilen Dysfunktion betroffen sind. Da aber kein Mann gerne über seine Potenzstörungen spricht, auch nicht mit dem Arzt, dürften diese Zahlen eher zu niedrig angesetzt sein. Das rege Interesse von Laien- und Fachkreisen bei der Einführung des Medikamentes Sildenafil hat die Problematik und die Bedeutung dieser Erkrankung in Deutschland weit bekannt gemacht.
Lebensqualität ist beeinträchtigt
Erektionsstörungen sind mehr als die meisten anderen psychischen oder körperlichen Beschwerden in der Lage, das Selbstwertgefühl des Mannes zu untergraben und das Wohlbefinden zu beeinträchtigen. Für den Patienten selbst bestehen die Auswirkungen in der Regel in einer Verminderung der Selbstachtung und des männlichen Identitätsgefühls. Oft sind Schwierigkeiten in Partnerschaft und Beruf die Folge, viele Patienten entwickeln auch eine Depression und psychosomatische Störungen. Das Krankheitsbild hat also weitreichende Auswirkungen auf Lebensqualität, Partnerschaft und Beruf, daher sollte es nicht verharmlost oder verschwiegen werden.
Organische Faktoren
Der Vorgang der Erektion ist von verschiedenen Voraussetzungen abhängig. Die Versorgung der Sexualorgane durch Blut- und Nervenbahnen muss sichergestellt sein, die Funktion der Sexualhormone muss reibungslos ineinander greifen, und nicht zuletzt spielt auch das psychische Umfeld eine große Rolle, damit es bei einem erotischen Reiz zur Erektion kommen kann. Sind diese Voraussetzungen alle erfüllt, erfolgt ein vermehrter Einstrom von Blut in die Schwellkörper des Penis und der Abfluss des Blutes wird gedrosselt. So kommt es dann zur Versteifung des Penis.
Viele Faktoren können eine Erektion stören oder verhindern:
- Allgemeine Faktoren
- deutliches Über- oder Untergewicht
- Herz- und Kreislauferkrankungen
- Lungenerkrankungen
- bösartige Tumoren
- schwere Leber- oder Nierenerkrankungen (Leberzirrhose, Dialyse)
- Hormonelle Störungen
- Zuckerkrankheit
- Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion
- Krankheiten der Nebenniere
- fehlende oder zu geringe Ausschüttung von Sexualhormonen
- Fettstoffwechselstörung
- Gefäßerkrankungen
- Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose)
- Störungen der Venenfunktion
- Hypertonie
- Nervenstörungen
- Nervenschädigungen durch Zuckerkrankheit
- Multiple Sklerose
- Nervenschädigungen nach Kopfverletzungen
- Zustand nach Querschnittsverletzung
- Medikamente/Gifte
- Alkohol- und Nikotinmissbrauch
- manche blutdrucksenkende Mittel
- Herzmittel
- entwässernde Tabletten
- manche Fettsenker
- Mittel gegen Magengeschwüre
- Beruhigungstabletten, Mittel gegen Depressionen
- Mittel gegen Epilepsie
- Schmerztabletten
- Hormonpräparate
- Kortison
- Appetitzügler
- Drogen (Marihuana, Heroin)
- Peniserkankungen
- angeborene Veränderungen
- Penisverletzungen
- Psychologische Faktoren
Meist lassen sich die Erektionsstörungen nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. In der Regel findet man eine Kombination aus organischen und psychologischen bzw. partnerschaftlichen Faktoren, die zur Erektionsstörung führen.
Zu den psychologischen bzw. partnerschaftlichen Faktoren zählen:
- Stress
- Unsicherheit
- Partnerschaftskonflikte
- Versagensangst
- Schuldgefühle
- psychische Erkrankungen
- Eifersucht
- Angst vor Schwangerschaft
In jüngerem Alter stehen oft die psychologischen Faktoren im Vordergrund, nach dem 50. Lebensjahr bestimmen eher organische Veränderungen das Krankheitsbild. Psychische und organische Faktoren berücksichtigen! In den letzten 15 Jahren wurden im Rahmen der Forschung viele neue Erkenntnisse über die Mechanismen der Erektion und Zeugungsfähigkeit gewonnen - auch viele Medikamente entwickelt, die die Erektionsfähigkeit fördern.
Dabei wurde den psychologischen Ursachen leider immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Erst in den letzten Jahren wurden die Erkenntnisse der Psychosomatik wieder verwendet und entsprechende Beratungsverfahren entwickelt. Die psychologische Behandlung in Form der so genannten Sexualtherapie ist heute weltweit anerkannt und wird erfolgreich durchgeführt. In der Kombination beider Therapieverfahren lässt sich jetzt ein großer Anteil der Erektionsstörungen wirksam behandeln.
Die DiagnoseHat ein Mann Erektionsstörungen, soll er dies nicht verschweigen, sondern mit seinem Hausarzt darüber sprechen. Nur mit Hilfe eines Arztes können aus den vielen möglichen Ursachen die richtigen herausgefunden werden. Falsche Scham ist fehl am Platze! Leider sprechen die Ärzte ihre Patienten viel zu selten auf Potenzstörungen an, auch wenn Krankheitsbilder vorliegen, bei denen es oft zu Erektionsstörungen kommt, wie z.B. langjähriger Zuckerkrankheit.
Im Allgemeinen wird der Arzt sich genau nach der Vorgeschichte der Beschwerden, dem beruflichen und privaten Umfeld erkundigen, und auch nach Vorerkrankungen, Medikamenten usw. fragen. Nach Erhebung dieser Krankengeschichte (Anamnese) wird er eine körperliche Untersuchung vornehmen und dann meist eine Blutentnahme durchführen, um Hormonstörungen oder Stoffwechselerkrankungen auszuschließen. Eventuell wird noch eine Ultraschalluntersuchung stattfinden. Falls sich bei diesen Untersuchungen keine Befunde ergeben, die das Beschwerdebild erklären können, wird der Hausarzt eine weitergehende Diagnostik beim Spezialisten (meist Urologen oder Endokrinologen) veranlassen.

























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