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Gehirnjogging - Was steckt dahinter?
Sport/Fitness - Gehirntraining


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thumb_sxc_1230316_82664914_spectrum"Grips ist trainierbar". Gezieltes Training des Gehirns kann seine Leistungsfähigkeit erheblich steigern. Aber was passiert dabei im Kopf? Die Redaktion sprach mit Dr. Jörg Lauterberg, Arzt und Diplom-Psychologe bei der AOK, über die Funktion und Erfolge des Gehirnjoggings.


PSG: Was genau passiert bei Gehirnjogging im Kopf? Wie werden die einzelnen Zellen fitter?

Lauterberg: Das Gehirn ist ein komplexes Netzwerk von circa 25 Milliarden einzelner Zellen, wobei jede Nervenzelle über Zellfortläufer Tausende von Kontakten zu anderen unterhält. Diese finden durch minimale bioelektrische Ströme über die verästelten Nervenbahnen statt. Während eines Lernvorgangs werden Informationen in komplexen musterhaften Abfolgen solcher Gehirnströme verarbeitet. Und diese Muster werden vom Gehirn gespeichert, wenn diese Bahnen wiederholt schleifenförmig durchlaufen werden. Zunächst speichert das Kurzzeitgedächnis neuartige Muster, bevor sie bei regelmäßiger Nutzung schließlich im Langzeitgedächnis verankert werden. So erwerben und schulen wir über Lernvorgänge im Gehirn unsere verschiedenartigen geistigen Fähigkeiten.

PSG: Seit wann gibt es Gehirnjogging?

Lauterberg: Der Begriff "Gehirnjogging" ist in dieser Weise in den achtziger Jahren aufgetaucht. Die Grundidee besteht allerdings schon seit der Antike. Durch gezielte Beanspruchung des Gehirns soll dabei die Intelligenz geschult und gefördert werden.

PSG: Was bringt das Training des Gehirns wirklich?

Lauterberg: Auch für das Gehirn gilt: Wer rastet, der rostet. Regelmäßiges Trainieren jedoch erhält das lebenslang erworbene Wissen und die geistigen Fähigkeiten. Je öfter ich bestimmte Prozesse im Sinne von Übung durchlaufe, um so schneller kann ich im Bedarfsfalle über Wissen und Fertigkeiten verfügen. Nehmen wir zum Beispiel das Kopfrechnen: Seitdem viele Leute nur noch mit dem Taschenrechner arbeiten, dauert bei ihnen das Rechnen im Kopf wesentlich länger. Tägliches Training kann aber auch hier die mathematischen Fertigkeiten wieder rasch verfügbar machen. Ein weiterer positiver Effekt: Bei Anspannung und Konzentration wird das Gehirn besser durchblutet und erhält somit mehr Nährstoffe.

PSG: Wie sollte ein vernünftiges Training aussehen?


Lauterberg: Ein sinnvolles Gehirntraining gehorcht ähnlichen Grundsätzen wie ein gutes Training im Fitneßstudio. Auch hier sollte sich der Trainingsplan der Leistungsfähigkeit des Einzelnen anpassen und individuell zusammengestellt werden. Denn wer sich zuviel vornimmt, ist schnell frustriert. Natürlich dürfen die Aufgaben, die man sich stellt, aber auch nicht zu leicht sein. Wichtig für die Motivation ist, daß das Training Spaß macht. Das "Top im Kopf 2000"-Spiel bietet dafür ein gutes Beispiel. Der spielerische Charakter motiviert zum Training, die einzelnen Aufgaben fordern verschiedene Intelligenzfähigkeiten.

PSG: Was halten Sie von Computerspielen?

Lauterberg: In Maßen sind einzelne Computerspiele durchaus sinnvoll, da sie das Gehirn zu Leistung anregen. Aber die sozialen Kompetenzen fördern sie in der Regel nicht. Deshalb rate ich eher zu kniffligen Gesellschaftsspielen. Diese erfordern sowohl geistige als auch soziale Fähigkeiten.

PSG: Kann zuviel Training Schäden verursachen?

Lauterberg: Der Belastungsfähigkeit des Gehirns sind im Prinzip fast keine Grenzen gesetzt. Die Wissenschaft geht zum Beispiel davon aus, daß wir alle nur etwa 10 Prozent der grauen Zellen aktiv nutzen. Da der Körper aber als Einheit reagiert, kann ein hohes Konzentrationsniveau nicht über sehr lange Zeit aufrecht erhalten werden. Verspannungen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit sind häufig die Folge. Auch ein Zuviel an akustischen oder visuellen Reizen kann das Gehirn extrem anstrengen. So bedeuten zum Beispiel flimmernde Bildschirme oder rasche Bildfolgen eine enorme Belastung und führen schnell zu Ermüdungserscheinungen.

PSG: Wem empfehlen Sie Gehirnjogging besonders?


Lauterberg: Prinzipiell sollte jeder sein Gehirn fit halten. Denn auch zu den Anforderungen, die unser Berufsleben an uns stellt, paßt Gehirnjogging sehr gut. Stichwort: Lebenslanges Lernen. Nicht nur räumliche sondern auch geistige Mobilität werden immer wichtiger. Außerdem kann ein lernerprobtes Gehirn kognitive Leistungsstörungen - wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall - häufig besser kompensieren als eines, das 30 Jahre zuvor nur noch Routine gefahren hat. Der Grund: Ein trainiertes Gehirn hat ein höheres Plastizitätspotential. Das heißt, benachbarte Gebiete können durch erneutes Lernen in Teilen die Aufgaben von den beschädigten Bereichen im Gehirn übernehmen

Mehr zum Thema: www.aok.de
Quelle: Dr. Jörg Lauterberg

 

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