Anti-Aging und Gesundheit dank Fett und wenig Gemüse? Ergebnisse der PURE-Studie.

Geschrieben von Barbara Langrehr Zuletzt aktualisiert: Montag, 30 Oktober 2017
Gesünder durch fettreiche Ernährung? Ergebnisse der PURE Studie © Cherries - Fotolia.de
Gesünder durch fettreiche Ernährung? Ergebnisse der PURE Studie © Cherries - Fotolia.de

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.) empfiehlt: Fünf Portionen rohes Gemüse oder Obst täglich und ausreichend Kohlehydrate – bevorzugt aus Vollkornprodukten – erhalten den Menschen gesund. Eiweiß und Fette sollten nur in Maßen verzehrt werden.

Die PURE-Studie überrascht mit fetten Ergebnissen

Die kürzlich präsentierten Ergebnisse der PURE-Studie scheinen dieses Konzept jedoch buchstäblich auf den Kopf zu stellen. Die Ergebnisse sorgten bei der Tagung der Europäischen Herzspezialisten (European Society of Cardiology, ESC) für Furore und die Anhänger von „Steinzeit“ (Paleo)- und Low-Carb-Diäten fühlten sich durch die Ergebnisse bestätigt.

Grob zusammengefasst: Die PURE-Studie legt nahe, dass fettreiche Ernährung mit Butter, Milch- und Fleischprodukten das Sterberisiko eher senkt. Und dass es sogar unerheblich ist, ob gesättigte oder ungesättigte Fette in der Küche zum Einsatz kommen. Große Mengen an Kohlehydraten dagegen seien der Gesundheit abträglich. 

Gesünder durch viel Fett und weniger Kohlehydrate?

Ein Fettanteil von bis zu 35% in der Tagesration stand in der Studie mit einer auffallend verringerten Mortalitätsrate in Verbindung. Bei mehr als 60% Kohlehydraten wäre die Gesundheit jedoch sogar bedroht.

Zusätzlich bewies die PURE-Studie anscheinend, dass nicht die Zahl der täglichen Obst- und Gemüseportionen über die Gesundheit entscheidet, sondern der Frischegrad. Das kardiovaskuläre Risiko sinkt, wenn generell viele frische Produkte verzehrt werden. Die von der DGE empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse schienen keinen Vorteil zu zeigen gegenüber nur drei Portionen.

Doch macht tatsächlich ein erhöhter Fett-Konsum gesünder und machen viele Kohlehydrate wirklich krank?

Kritik an den Studienergebnissen

Dass Fett nicht der Feind in der täglichen Ernährung ist, hat die Ernährungspraxis längst bestätigt: Butter, Kokosfett oder Olivenöl sind nicht nur leckere Zutaten in der Küche, sie sind sogar gesund. Manche Rohkost, beispielsweise Salat oder Karotten, kann der Homo sapiens ohne Fett oder Öl gar nicht vollständig verwerten. Verschiedenste Diät-Tests haben gezeigt: Niemand nimmt schneller ab, wenn er jede Art von Fett vom Speiseplan verbannt, tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Nicht umsonst sind low-carb Diäten so erfolgreich - zumindest, wenn es um eine schnelle Gewichtsreduktion geht.

Erste Kritik an der PURE-Studie und ihrer Interpretation kam prompt von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim: nicht zu viele Kohlehydrate seien das Problem. Ihre Einwendungen sind einleuchtend:

Eiweiß, Fett, KohlehydrateEiweiß, Fett, Kohlehydrate sind Makronährstoffe. Wie viel davon ein Mensch täglich zu sich nimmt, ist vor allem ein Indikator für die gesamte Qualität seiner Nahrung.

Nicht die erhöhte Menge von Kohlehydraten steigert demnach das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus zu erkranken. Und nicht die größere Tagesration an Fett verlängert das Leben. Der Kausalzusammenhang liegt an anderer Stelle.

In Ländern mit schlechter, einseitiger Nahrungsmittelversorgung und in wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsschichten sind die stärkehaltigen Kohlehdyrat-Lieferanten Kartoffeln, Mais, Reis, Weizen billig zu haben. Sie sind Hauptbestandteil der Ernährung und machen satt. Dafür fehlen oft frisches Obst und Gemüse und damit die Mikronährstoffe: Mineralien und Vitamine. Entsprechend steigt das Risiko, krank zu werden. Was zählt, ist nämlich insgesamt die Qualität, nicht die Quantität der Nahrungsmittel

In wirtschaftlich besser gestellten Ländern der westlichen Welt wiederum bedeutet eine Kohlehydratzufuhr von über 50%, dass die Konsumenten sehr viel Zucker und Zuckerhaltiges zu sich nehmen. Wer hier umdenkt, tut sich sicherlich Gutes und nimmt womöglich auch ab.

Muss gesunde Ernährung demnach ganz neu definiert werden?

Nein. Unsere Vorfahren wussten es bereits und neueste Erfahrungen und Tests bestätigen es immer wieder:

 

Über ein gesundes Sättigungsgefühl, hohe Leistungsfähigkeit und eine stabile Gesundheit entscheiden alle Komponenten im Zusammenspiel: Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, Eiweiß und Fett zusammen mit den Kohlehydraten. Kohlehydrate, die sehr schnell Glukose freisetzen (mit einem niedrigen glykämischen Index) machen nur kurzfristig satt, anschließend müde und letztendlich dick!

Hintergrundwissen zur PURE-Studie

Die PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) erstreckte sich über einen Zeitraum von zehn Jahren. 135.000 Probanden mit gesundem Herz-Kreislauf-System im Alter zwischen 35 und 70 standen unter Beobachtung. Sie stammten aus 18 Ländern mit den unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten und sozio-ökonomischen Hintergründen.

Hier können Sie uns einen Kommentar hinterlassen

Sie kommentieren als Gast.

Anti Aging und Well Aging sind genau meine Themen!

Ich gehöre genau zur Zielgruppe: ich bin über 40, habe wie die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ein reichhaltiges Nahrungsangebot, oft wenig Bewegung und möchte dennoch gesund und fit alt werden. Die Quadratur des Kreises? Aus wissenschaftlicher und journalistischer Neugier probiere ich gern Dinge aus, z.B. eine Panchakarma Kur in Indien oder auch das Faszientraining. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg für ein zufriedenes und aktives Alter(n) finden.

Ich bin oft entsetzt, mit welchen Heilversprechen fragwürdige Behandlungen, Diäten, Nahrungsergänzung oder Kosmetikprodukte angeboten werden. Als promovierter Biochemiker mit langer Erfahrung in der Gesundheitsbranche und Journalist möchte ich Ihnen wissenschaftlich fundierte und gründlich recherchierte Artikel rund um das Thema Anti Aging bieten.

Sie haben Themenwünsche oder spezielle Fragen? Ich freue mich über Ihre Vorschläge!

Herzliche Grüße,

Ihr Jan Kunde

Die Withania GmbH

facebook 10 2015

Dr. Jan Kunde