Alter, Krankheit und freie Radikale

Geschrieben von Withania Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 13 August 2017
Alter, Krankheit und freie Radikale haben einen Zusammenhang © fotoliaxrender - Fotolia.com
Alter, Krankheit und freie Radikale haben einen Zusammenhang © fotoliaxrender - Fotolia.com
 

Freie Radikale als Hauptursache für Alterungsprozesse

Der Körper ist eine Chemiefabrik, die es versteht, einen komplexen Organismus durch geschickte Stoffumwandlungen am Leben zu erhalten. Zucker, Fette und Aminosäuren werden enzymatisch so umgebaut, dass sie Rohstoffe für den Aufbau des Körpergewebes liefern und die Energieversorgung des Organismus sicherstellen. Bei diesen enzymatischen Stoffwechselprozessen kommt es nun zur Bildung von "molekularen Bruchstücken", den so genannten "freien Radikalen".
 
Während die Bildung dieser hochreaktiven Moleküle oder Atome für bestimmte Reaktionen geradezu notwendig ist, ist die Freisetzung dieser Radikale in die Zell- oder Körperflüssigkeit hinein unerwünscht. Die freien Radikale zeichnen sich durch ungeheure Reaktivität aus; sie reagieren mit allen Substanzen, die mit ihnen in Berührung kommen, so auch mit Körpergewebe, der Erbsubstanz und Substanzen der Zell- und Körperflüssigkeit.
 
Ein typisches Radikal, das ständig im Körper gebildet wird, ist das Hydroxylradikal. Es ist z.B. das Produkt von bestimmten enzymatischen Reaktionen, welche im Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen, aber auch in geringen Mengen im normalen Stoffwechsel ablaufen. Ein weiteres Radikal, dass Superoxidradikal, wird praktisch in allen Phasen normaler Stoffwechselvorgänge freigesetzt.

Problematisch für den Körper ist nicht nur die unmittelbare hohe Reaktivität der freien Radikale, sondern die Tatsache, dass sie Radikalkettenreaktionen auslösen können: Hierbei greift ein Radikal ein anderes Molekül an, zerstört es und setzt dabei weitere Radikale frei: Unter ungünstigen Umständen kann so ein einziges freies Radikal tausende von Molekülen zerstören. Da nun im Körper ständig Radikale freigesetzt werden, wird auch ständig erheblicher Schaden durch diese Moleküle angerichtet.

Um durch diese Umwelteinflüsse nicht vollständig zerstört zu werden, verfügt der Körper über Abwehr- und Reparaturmechanismen, welche die Schäden durch Radikale zumindest begrenzen können. So bildet der Körper Antioxidantien, zumeist enzymatische Substanzen, die als "Radikalenfänger" wirken und dafür sorgen, dass die Radikalkonzentration zumindest begrenzt wird; zu diesen Substanzen gehören vor allem die Peroxidasen. Die Menge der Radikalenfänger, die der Körper bilden kann, ist jedoch begrenzt, so dass immer wieder Gewebe- und Zellschäden durch Radikaleinwirkung auftreten. Der Umfang der Schäden kann nur statistisch ermittelt werden:

Je höher die Radikalkonzentration im Verhältnis zur Konzentration der Radikalenfänger ist, desto mehr Schäden pro Zeiteinheit treten auf. Die Tatsache, dass die Konzentration der natürlichen Radikalenfänger im Körper relativ gering ist, führt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein freies Radikal auf einen Radikalenfänger trifft, bevor es einen "Krater in die nächste Zellwand sprengt", gering ist. Treten aber Schäden am Körper auf - was wie gesagt statistisch gesehen häufig ist - bleibt dem Körper nichts anderes übrig, als diese zu reparieren oder mit dem auftretenden Defekt zu leben, da die Reparatur nicht immer alle Schäden beheben kann: In letzter Konsequenz bleibt nach vielen kleineren Schäden an einer Zelle daher nichts anderes übrig, als diese auszutauschen.


Der Austausch von defekten Zellen funktioniert auch in jungen Lebensjahren recht gut, nur gibt es dabei langfristig (mindestens) zwei Probleme:

1. Die Zahl der möglichen Zellteilungen wird durch eine Art zellinternes "Zählwerk" begrenzt. Dieser Effekt ist als Hayflick-Effekt bekannt und weitgehend noch nicht enträtselt. Es wird seitens einiger Altersforscher vermutet, dass dieses "Zählwerk" den "Sinn" hat, die Lebenszeit von mehrzelligen Individuen zu begrenzen. Da der Hayflick-Effekt bei allen Mehrzellern in fast der gleichen Form existiert, ist er wohl durch Evolution entstanden und bietet Lebensformen mit sexueller Fortpflanzung einen erheblichen evolutionären Vorteil. Der Hayflick-Effekt ist eine Art Uhr des Lebens: Mit jeder Zellteilung verlieren wir Regenerationspotential und nähern uns der letzten möglichen Regeneration der Körperzellen.
 
2. Die "Kopie" der Zelle wird bei den einzelnen Teilungen immer fehlerhafter. Der zweite Effekt ist auf die Zerstörung der Informationsträger des Körper (DNS, RNS) zurückzuführen. Auch hier fehlt aber noch letzte wissenschaftliche Klarheit über die damit verbundenen Zusammenhänge. Fakt ist nur die Tatsache an sich: Jede durchgeführte Teilung vermindert die Funktionalität einer Körperzelle, weshalb die Alterung zum Teil auf mehrmals geteilte und dadurch disfunktionale Zellen zurückzuführen ist.
 

Das Prinzip der Alterung kann also vereinfacht folgendermaßen dargestellt werden:

Überwiegend durch Radikale werden im Körper Schäden angerichtet, die durch Reparaturmechanismen ausgeglichen werden. Diese Reparaturmechanismen werden jedoch immer fehlerhafter, werden sogar an einem bestimmten Zählerstand der Zellteilung völlig ausgeschaltet und führen so zu einer ständigen Verschlechterung der Funktionalität, der Stabilität und damit der Gesundheit des Körpers. Altern ist also die zunehmende Einschränkung der Körperfunktionen durch Schäden radikalischer Reaktionen und deren unvollständiger Reparatur. Im ungünstigsten Falle können Radikale Krebs erzeugen. Krebs wird durch Schäden am Erbmaterial einzelner Zellen ausgelöst. Da ein statistischer Zusammenhang zwischen Radikalkonzentration und Krebshäufigkeit besteht, kann man vermuten, dass diese Schäden am Erbmaterial unmittelbar durch Radikale verursacht werden.

Treten im Körper entzündliche Prozesse auf, verschlimmert sich die Situation gegenüber der "Normalbelastung" erheblich: Gerade bei diesen Vorgängen kommt es zu einer erheblich erhöhten Freisetzung von Hydroxylradikalen. Bei Krankheiten wie z.B. Arthrose führen ausschließlich diese Radikale zu irreparablen Schäden am Körpergewebe und an den Knochen. Schafft man es, die Konzentration der freien Radikale im Körper niedrig zu halten, erhöht sich wahrscheinlich nicht nur das erreichbare Lebensalter, vor allem kann die zweite Lebenshälfte ohne nennenswerte Einschränkungen der Gesundheit und Vitalität begangen werden. Auch werden Dauer, Häufigkeit und Auswirkungen von Krankheiten eingeschränkt und die Kondition steigt, da der Körper weniger mit der "Reparatur" seiner Systeme beschäftigt ist.

So ist es heute nachgewiesen, dass Herz- Kreislauferkrankungen, degenerative Erscheinungen, Immunschwäche, Krebs und viele andere Erkrankungen auf den mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss von Radikalen zurückzuführen sind. Immer wieder zeigen neuere Statistiken, dass die Verminderung der Radikalkonzentration im Körper daher auch zu einer signifikanten und drastischen Verminderung der allgemeinen Erkrankungshäufigkeit bei diesen Zivilisationskrankheiten führt. Diese Folgerung, der heute immer mehr Wissenschaftler aus allen medizinischen und pharmakologischen Disziplinen zustimmen, ist Anlass genug, zu untersuchen, wie wir die Radikalkonzentration im Körper begrenzen können.

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