Wieder ein Liebespaar sein

Geschrieben von withania Zuletzt aktualisiert: Samstag, 19 März 2016
Liebe und Partnerschaft auffrischen © contrastwerkstatt - Fotolia.com
Liebe und Partnerschaft auffrischen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Oft zerbrechen Beziehungen an diesem Punkt. Aber gerade diese Krise birgt auch die Chance zu einer Neuorientierung innerhalb der Partnerschaft, um deren zweite Hälfte gemeinsam erleben und genießen zu können.

Bilanz ziehen - neue Wege gehen

Bewusst oder unbewusst ist es in dieser Phase für das Paar an der Zeit, Bilanz zu ziehen und sich "vom Schicksal umdrehen zu lassen", wie Rüdiger Dahlke es in seinem Buch "Lebenskrisen als Entwicklungschancen" formuliert. Die Möglichkeit, einfach weiterzumachen wie bisher, gibt es nicht. 

Neue Freiräume sinnvoll nutzen

Häufig nimmt die Frau und Mutter die Veränderungen, die in der Partnerschaft anstehen, eher und unmittelbarer wahr als der Mann, der in Karriere und Beruf vertieft ist. Ist sie es doch, zumindest in der traditionellen Familie, die die meisten Aufgaben im Haushalt und bei der Erziehung managt.

Mit dem Auszug der Kinder fällt ein Großteil des bisherigen Betätigungs- und Bestätigungsfeldes der Frau weg. Neue Freiräume entstehen, die sie nutzen kann z. B. für sportliche Aktivitäten, soziales Engagement oder um die eigene Kreativität zu entdecken und zu vervollkommnen. Solche Aktivitäten im Sinne der Selbstverwirklichung sind wichtig und hilfreich. Wird der Partner jedoch nicht einbezogen, werden gemeinsame Erlebnisse nicht angestrebt, besteht die Gefahr, dass sich die Partner noch weiter verlieren.

Jetzt wäre ja die Gelegenheit da, all die Dinge gemeinsam zu unternehmen, die man sich seit vielen Jahren wünschte und für die nie Zeit und Raum war. Jetzt, wo nicht mehr die Bedürfnisse der heranwachsenden Kinder im Vordergrund stehen, kann man mehr an sich selbst denken, an Unternehmungen mit Freunden, auch längerfristig Pläne entwickeln. Wichtig dabei ist das Miteinander. Man schafft gemeinsam etwas und tut dies ausschließlich für sich als Paar. Steht einer der Partner noch in beruflichen Verpflichtungen, ist dies am Wochenende oder in der Freizeit möglich.

Gemeinsam Träume ausleben

Es müssen nicht immer große Projekte sein, die man gemeinsam in Angriff nimmt. Jetzt könnte das Segelboot gesegelt, das Pferd geritten oder der Garten bearbeitet und genossen werden. Jetzt hätte man die Zeit, gemeinsam all jene Träume zu leben, für die man im Trubel familiärer Aktivität keine Muße fand. Und diese äußeren Aktivitäten sind auch Schritte auf dem Weg zu einer neuen Hinwendung, ja vielleicht zur Neu-Entdeckung des Partners. 

Den Partner sehen, wie er wirklich ist

Ich freue mich, dass Du da bist... Manche Paare haben es verlernt, so miteinander zu reden und sich wirklich wahrzunehmen. Die Frage "Ist der andere überhaupt so, wie ich ihn wahrnehme, oder halte ich an meinem (alten) Bild von ihm fest?" sollten sich beide Partner spätestens in dieser Phase ihrer Beziehung unabhängig voneinander stellen. Häufig nämlich neigen wir dazu, an einmal erworbenen Vorstellungen über denjenigen und diejenige, die wir lieben, festzuhalten. Dabei übersieht man aber, dass der Mensch sich permanent entwickelt und verändert. In dieser Konstellation passiert es nicht selten, dass der Partner sich unverstanden und nicht richtig wahrgenommen fühlt. Und allzu oft treibt es ihn dann weg aus der Bindung, die als unbefriedigend empfunden wird. Gerade in jener Lebensphase, in der man sich auch mit dem Älterwerden konfrontiert sieht, kann dies kritische Auswirkungen auf eine Beziehung haben.

So versuchen viele Männer in dieser Situation, ihre Jugendlichkeit zu beweisen, indem sie z.B. von der Limousine auf ein Sportcoupé umsteigen oder sich eine junge Geliebte "zulegen". Aber auch Frauen sehen zunehmend in einem jugendlichen Liebhaber den vermeintlichen Ausweg aus einer festgefahrenen Beziehung und die Bestätigung ihrer Attraktivität. Dass diese Wege kaum dazu dienen, die Ehe oder Partnerschaft aus der Krise zu führen und auf Dauer wirklich glücklich zu sein, liegt auf der Hand. Es gilt daher gerade in einer sich anbahnenden Krisensituation, den anderen wieder verstärkt als Liebespartner zu erfahren, die tiefe Bindung zum geliebten Menschen neu zu (er)spüren.

Rituale frischen die Liebe auf

Dazu helfen Rituale im Alltag. Das kann ein tägliches Gespräch zwischen den Partnern sein, bei dem es nicht um das Wetter, das Fernsehprogramm oder die Nachbarn gehen sollte, sondern um das Paar selbst. Ein Gespräch, in dem jeder auf den Tisch packt, wie es ihm mit dem anderen geht, was der eine am anderen besonders schätzt oder auch, was ihn am anderen stört. Denn: Sind es nicht die zahllosen vermeintlichen "Kleinigkeiten", die eine Partnerschaft über die Jahre hinweg glücklich oder unerträglich machen?

Zeigen Sie dem Partner Ihre Wertschätzung! Suchen Sie Orte auf, an denen Sie zu zweit vor Jahren glücklich waren. Viele Dinge werden im Laufe einer langjährigen Partnerschaft als selbstverständlich hingenommen - sei es, dass immer frische Blumen auf dem Tisch stehen und eine angenehme Wohnatmosphäre herrscht oder dass die zahlreichen kleinen handwerklichen Tätigkeiten in Haus und Garten stets umgehend erledigt werden. Dies alles ist Alltag und bedarf doch immer wieder neu einer Wertschätzung. Ein ehrliches "Ich freue mich, dass du dies oder jenes einfach tust und dass es dich gibt", kann niemals falsch sein. Doch haben manche Paare es verlernt, so miteinander zu reden und sich auf diese Weise wahrzunehmen. Ihre Gesprächsthemen kreisen um Arbeit, Fernsehen, andere Menschen, Kultur oder Politik - nur über sich selbst zu sprechen und über ihre Empfindungen dem anderen gegenüber, fällt ihnen schwer. Sich dann dazu zu zwingen, kann aber auch kein gangbarer Weg sein.

Täglich miteinander schweigen

Lob und Wertschätzung, die nicht ehrlich aus dem Herzen kommen, bewirken eher das Gegenteil. Paare, denen es schwer fällt, miteinander zu reden, sollten sich täglich einen Spaziergang gönnen, bei dem kein Wort gewechselt wird. Jeder konzentriert sich auf das, was er erlebt, sieht, hört oder riecht, darf es aber dem Partner nicht mitteilen. Probieren Sie es aus. Sie werden schon nach einigen Tagen, spätestens jedoch nach wenigen Wochen feststellen, dass Sie sich plötzlich wieder etwas zu sagen haben, dass es immer schwerer wird, das Schweigen während des Spaziergangs durchzuhalten!

Erinnerung an die Zeit des Verliebtseins

Oder suchen Sie gemeinsam mit Ihrem geliebten Partner einmal wieder die Orte auf, an denen Sie vor vielen Jahren glückliche Stunden miteinander verlebten. Damals, als Ihre Kinder noch nicht geboren, als Sie noch ein jung verliebtes Paar waren. Erinnern Sie sich an die Dinge, die Sie damals mit Vorliebe unternahmen. Was hindert Sie daran, das auch heute wieder einmal auszuprobieren?

Die neue Zuwendung zum jeweils anderen gelingt jenen Paaren umso leichter, die sich während der Dauer ihrer Beziehung schon früher Freiräume der Zweisamkeit schufen, um sich als Liebespaar zu erleben: etwa durch Unternehmungen zu zweit oder Kontakte mit anderen Erwachsenen, bei denen Kinderthemen außen vor blieben. 

Sich auf den Wandel vorbereiten

Paare, die sich während der ersten Lebenshälfte zu stark auf die Elternrolle konzentrierten und den Gedanken an die Reifezeit nicht aufkommen ließen, haben es meist schwer, sich neu zu finden. C. G. Jung beklagte bereits 1930 in einem Vortrag zum Thema "Lebenswende": Das Schlimmste an allen diesen Dingen ist, dass kluge und gebildete Menschen dahinleben, ohne von der Möglichkeit solcher Veränderungen zu wissen. (...) aufs Tiefste unvorbereitet treten wir in den Lebensnachmittag, schlimmer noch, wir tun es unter der falschen Voraussetzung unserer bisherigen Wahrheiten und Ideale.

Nach einem Lebensabschnitt, der von Leistung, Aufbauen und Umsorgen geprägt war, umzuschalten auf Besinnung und Sinnfindung, auf Gemeinsamkeit und Selbstverwirklichung in der Partnerschaft, ist nicht einfach. Wem dies aber gelingt, wer die Beziehungskrise nach der Lebensmitte als Herausforderung betrachtet und sich ihr stellt, der hat die Chance, den Lebensnachmittag in Harmonie und Zufriedenheit mit dem Partner zu erleben.

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Ich gehöre genau zur Zielgruppe: ich bin über 40, habe wie die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ein reichhaltiges Nahrungsangebot, oft wenig Bewegung und möchte dennoch gesund und fit alt werden. Die Quadratur des Kreises? Aus wissenschaftlicher und journalistischer Neugier probiere ich gern Dinge aus, z.B. eine Panchakarma Kur in Indien oder auch das Faszientraining. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg für ein zufriedenes und aktives Alter(n) finden.

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