Wenn die Schulter schmerzt – das Impingement-Syndrom

Geschrieben von Dr. Jan Kunde Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12 Juli 2018
Wenn die Schulter schmerzt - das Impingement-Syndrom © SENTELLO - Fotolia.de
Wenn die Schulter schmerzt - das Impingement-Syndrom © SENTELLO - Fotolia.de

Gelegentliche Schmerzen in der Schulter nach Überlastung oder einseitiger Belastung treffen jeden von uns. Doch bei etwa jedem Zehnten wird der Schulterschmerz zu einem Dauerproblem - oft ist es dann das sogenannte Impingement-Syndrom. Lesen Sie, wie dies diagnostiziert und behandelt wird.

Hinter hartnäckigen Schulterschmerzen steckt oft ein Impingement-Syndrom

Beim Impingement-Syndrom (engl. to impinge – aufeinandertreffen, einengen) wird es in dem Gelenkraum unter dem Schulterdach aufgrund verschiedener Ursachen zu eng. Die Folge sind Schmerzen in der Schulter. Zu Beginn treten die Schmerzen oft nur beim seitlichen Anheben des Armes auf, wenn dieser nach vorne ausgestreckt oder zur Decke gestreckt wird. Später entwickelt sich häufig ein Dauerschmerz in der Schulter. Das Impingement tritt meistens im Lebensalter ab 40 Jahren auf und trifft zehn Prozent unserer deutschen Bevölkerung. Damit gehört es zu den dritthäufigsten Beschwerdebildern in der orthopädischen Praxis.

Ursachen des anhaltenden Schulterschmerzes

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers und wird durch zahlreiche Sehnen, Bänder und vier große Muskeln (Rotorenmanschette) gebildet. Beim Impingement-Syndrom kommt es zu einer schmerzhaften Kompression von Weichteilen (Muskeln, Sehnen oder Nerven) in dem Raum zwischen Oberarmkopf und dem sogenannten Schulterdach.

Die Ursache für diese Einengung im Schulterdach kann eine knöcherne Veränderung im Gelenkspalt sein. Durch eine permanent einseitige Belastung (Sitzen am Computer) neigt der Knochen besonders an den Sehnenansätzen zu einer Gegenreaktion, indem er vermehrt Knochenmaterial aufbaut, um diese zu verstärken. Dadurch können regelrechte Knochendornen entstehen - ähnlich wie beim Fersensporn.

Bei der nicht-knöchernen Ursache wird der Gelenkspalt durch eine Entzündung des Schleimbeutels oder der Sehnen hervorgerufen. Denn eine Entzündung führt unweigerlich zu einer Schwellung des betroffenen Gewebes, wodurch der Platz unter dem Schulterdach ebenfalls eng wird.

Die Diagose des Impingement-Syndroms

Ihr Arzt wird durch gezielte Fragen herausfinden, ob ein Impingement-Syndrom bei Ihnen vorliegen könnte. Erhärtet sich dieser Verdacht, muss dieser durch Folgeuntersuchungen bestätigt werden – vor allem, um das knöcherne Impingement vom Weichteil-Impingement zu differenzieren. Denn deren Behandlung ist durchaus unterschiedlich.

Für eine erste Erhärtung der Verdachtsdiagnose wird Ihr Arzt einige körperliche Tests durchführen. Dabei müssen Sie den Arm in verschiedene Positionen bringen, den Arm kreisen („schmerzvoller Bogen“ – painful arc) und gegen einen Widerstand drücken, um festzustellen, ob eine Seite beeinträchtigt ist.

Im Anschluss werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um die genauere Ursache zu ergründen: Eine knöcherne Veränderung wird in einer Röntgenaufnahme sichtbar, Schwellungen und Veränderungen am Schleimbeutel, Sehnen, Bändern und Muskeln sieht Ihr Arzt bei einer Ultraschall-Untersuchung (Sonographie). Sollten diese Untersuchungen noch nicht zu einer abschließenden Diagnose führen, kann eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) folgen.

Die Behandlung Ihrer schmerzenden Schulter

In der akuten Phase ist es ratsam, den betroffenen Arm zunächst zu schonen und die schmerzauslösenden Bewegungen zu vermeiden. Gleichzeitig werden Sie schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (nicht-steroidale Anti-Rheumatika (NSAR), z. B. Ibuprofen) verschrieben bekommen. Die lokale Injektion von kortisonhaltigen Medikamenten gehört ebenfalls zum gut belegten Standard bei der Behandlung. Ist der Auslöser eine Verknöcherung, hat sich die Stoßwellentherapie als wirksame Methode herausgestellt, um überschüssiges Knochenmaterial abzutragen.

Spätestens nach zwei bis drei Wochen sollte der Akutschmerz soweit abgeklungen sein, dass mit physikalischen Maßnahmen begonnen werden kann. Dazu gehören die Physiotherapie, um die Muskeln der Rotorenmanschette zu kräftigen, Kälteanwendungen gegen die Entzündung, Reizstrom für eine bessere Durchblutung, Massage oder manuelle Therapie.

Inzwischen stehen ebenfalls ausgesprochen wirksame Online-Kurse zur Verfügung. Der Vorteil besteht darin, dass die Übungen orts- und zeitunabhängig anhand von Videos leicht erlernt werden können. In der Regel zahlt man für diese Kurse eine einmalige Gebühr und hat lebenslang Zugang zu den Anleitungen.

Helfen all diese Maßnahmen nicht, steht als letzte Option eine operative Behebung der Schmerzursache an. Dabei kann beispielsweise ein permanent entzündeter Schleimbeutel entfernt werden, um so für ausreichend Platz im Gelenkraum zu sorgen oder der knöcherne Dorn wird operativ entfernt.

Langfristig sollten Sie gezielte Übungen durchführen, die den gesamten Schulterbereich kräftigen, die Beweglichkeit fördern und eine einseitige Belastung ausgleichen. Ideal geeignet sind dazu Aqua-Gymnastik, Pilates, Yoga oder ein Training im Fitnessstudio.

 

 

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