Was taugen Körper-Analyse-Waagen – ein Testbericht

Geschrieben von Dr. Jan Kunde Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 28 November 2018
So genau sind Körperanalyse-Waagen © mojzagrebinfo - Pixabay.com
So genau sind Körperanalyse-Waagen © mojzagrebinfo - Pixabay.com

Es wird immer populärer, seine Vitalparameter zu messen und diese zu optimieren. Tragen Sie bereits ein Fitnessarmband? Dann fehlt Ihnen möglicherweise noch die passende „smarte“ Waage. Drei populäre Modelle habe ich mir genau angesehen, um festzustellen, was die Geräte können und was nicht.

Im Test waren drei Körperanalysenwaagen: die BF 850 von Beurer, die Shape Sense Connect 200 von Soehnle sowie die Body Cardio von Withings / Nokia. Als Referenz konnte ich das professionelle medizinische Gerät InBody 770 nutzen, das im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt wird und für medizinische Zwecke validiert ist.

Der erste Eindruck

Die drei Körper-Analyse Waagen unterscheiden sich rein optisch schon deutlich. Die BF-850 (Beurer) hat deutlich sichtbare Metallflächen, so dass man genau weiß, wo die Füße zu platzieren sind. Sie wirkt dadurch recht professionell – wie ein Medizinprodukt.

Die Sense Connect 200 (Soehnle) ist die breiteste im Test und hat eine große Auftrittsfläche. Die Oberfläche besteht komplett aus Glas. Bei dieser Waage fällt das extra große Display ins Auge. Die Ziffern sind klar und deutlich ablesbar, der Kontrast gut.

Die Body Cardio (Withings / Nokia) wirkt besonders stylish mit der glänzend schwarze Glasoberfläche (auf der man dementsprechend schnell Fußtapsen sieht). Ein echtes Schmuckstück für das Badezimmer. Was mir im laufenden Betrieb als nachteilig auffiel: die Standfüße haben keine Gummierung und dadurch rutscht sie auf den Fliesen, wenn man sie betritt. Das könnte insbesondere für Personen, die nicht ganz standfest sind, zu Problemen führen.

Die Inbetriebnahme der Körperanalysewaagen

Die Waage BF 850 von Beurer

Die Waage von Beurer erfragt nach dem Einlegen der Batterien die benötigten Daten (Datum und Uhrzeit) ab. Nach dem Einschalten von Bluetooth verband sich die Waage automatisch mit der von mir bereits installierten App - die Führung durch das Menü war logisch aufgebaut und nachvollziehbar. Als etwas nachteilig empfand ich die sehr kleinen Touchfelder der App – ich musste genau in das vorgesehene Feld tippen, um meine Angaben machen zu können und war bei manchen Feldern verzweifelt auf der Suche nach dem richtigen Touchpunkt – hier besteht Verbesserungsbedarf.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Informationen zum Datenschutz bei Beurer besonders ausführlich sind und der Nutzer die Möglichkeit hat zu entscheiden, was mit den Daten passieren darf. Zur Bestätigung erhielt ich eine E-Mail. Diese enthielt einen Link zur Beurer Webseite „HealthManager“, so dass ich meine Werte auch am Rechner einsehen kann. 

Die Darstellung der App ist relativ kleinteilig. Als Graphik ließ sich bei mir nur das Gewicht anzeigen – die übrigen Messwerte der Waage (Fett-, Muskel- Wasser- und Knochenanteil) habe ich nur im Tagebuch gefunden – allerdings als Tageswerte und nicht als Verlauf darstellbar.

Was ich gut fand: man hat die Möglichkeit, eingenommene Medikamente zu dokumentieren, so dass diese App eine gute Übersicht über den allgemeinen Gesundheitszustand und die Medikation bietet.

Die zugehörige Webseite „HealthManager“ ist dunkelblau mit weißer Schrift. Zunächst empfand ich das als altmodisch, aber die Übersichtlichkeit ist bei Beurer besonders gut. Die dargestellten Diagramme zeigen einen anschaulichen Überblick über Gewicht, Körperfett, Wasseranteil und Muskelmasse. Außerdem lassen sich noch Schlaftracker, Blutzucker, Blutdruck, Pulsoximeter und Aktivität per geeigneter Geräte übertragen, sofern diese vorhanden sind. Die Werte lassen sich auch manuell eintragen. Die Webseite punktet mit großer Übersichtlichkeit und nutzerfreundlicher Darstellung. Wer gern mit seinen Daten spielt, kann diese einfach per Export-Funktion in eine Exceltabelle übertragen.

Die Verbindung von Smartphone und Waage erfolgte automatisch und ohne größere Probleme im täglichen Alltag.

Die Waage Shape Sense Connect 200 von Soehnle

Die Eingabe der Basis-Daten empfand ich bei der Soehnle-Waage als relativ kompliziert. Mit welchen Tasten man welche Einstellung auswählt und vornimmt, war nicht immer intuitiv und ich musste häufiger das Handbuch zu Rate ziehen. Nach dem Herunterladen der App verbanden Waage und App sich erst nach mehrmaligem Einschalten der Waage und Aktualisieren der App. Dann funktionierte die weitere Konfiguration allerdings einwandfrei.

Das extra große Display und der Kontrast sind gut, so dass auch ältere und fehlsichtige Personen die Werte gut ablesen können. Sobald die Waage das Körpergewicht ermittelt hat, gibt sie einen Piepton von sich und man denkt, die Messung wäre beendet. Aber weit gefehlt – erst danach werden die übrigen Parameter, wie Fett- und Muskelanteil analysiert. Das führt anfänglich zu Verwirrung, da ich zu früh von der Waage stieg und die Werte entsprechend fehlten.

Auch bei der täglichen Messung waren die Daten oft nicht automatisch in der App des Handys, ich musste die Waage noch einmal einschalten und dann die App aktualisieren, um die aktuellen Messwerte angezeigt zu bekommen, obwohl das Handy während der Messung in unmittelbarer nähe der Waage lag.

Die Übersichtlichkeit der App ist hingegen gut. Die einzelnen Mess-Parameter sind klar farblich voneinander getrennt und die Auswahl der Anzeige (Einzelwerte oder Graphik) empfand ich als intuitiv. Hier punktet die App deutlich.

Die Webseite sieht exakt so aus wie die App. Mehr als die bloße Darstellung der Werte ist  auch hier nicht möglich. Weder konnte ich die Daten exportieren noch eingenommene Medikamente dokumentieren. Die Webseite liefert keinen zusätzlichen Nutzen zur App und ist im Vergleich zum Beurer „HealthManager“ etwas mager.

Das besonders große Display der Waage lässt vermuten, dass Soehnle als Zielgruppe auf ältere und fehlbesichtige Personen abzielt. Leider findet sich dieser Anspruch weder bei der App noch bei der Webseite wieder.

Die Waage Body Cardio von Withings / Nokia

Nokia hat mit der Body Cardio ein Gerät einer ganz anderen Kategorie ins Rennen geschickt. Diese Waage verbindet sich nicht per Bluetooth mit dem Handy, sondern über das WLAN-Netz. Das war für mich ein riesiger Vorteil im Alltag. Denn egal, wo mein Handy war – die Daten wurden zuverlässig in die App übertragen. Bei den beiden anderen Geräten musste das Handy stets in Bluetooth Reichweite liegen, damit die Daten auch in der App auftauchten.

Die Eingabe der Basisdaten und die Verbindung mit der App empfand ich als einfach. In der App sind die Werte – anders als bei Soehnle – nicht nach Parametern unterteilt, sondern wie in einem Tagebuch aufgelistet. Wenn man auf das Gewicht tippt, landet man in einer graphischen Übersicht, in der man Woche, Monat, Jahr als Zeithorizont auswählen kann und die Änderung der Werte entsprechend verfolgen kann. Das Ganze ist einigermaßen übersichtlich – durch eine farbliche Unterscheidung könnte dies jedoch noch übersichtlicher gestaltet werden.

Diese App bietet ebenfalls die Möglichkeit, verschiedene andere Tracker zu integrieren (Schlaf, Bewegung), fehlende Werte lassen sich manuell ergänzen. Anders als bei Beurer, kann man hier jedoch nicht die Medikation ergänzen, was schade ist.

Die Nokia Waage verfügt über einen fest eingebauten Akku, der sich per Mikro-USB Kabel einfach aufladen lässt. Ob das auf lange Sicht ein Vorteil ist oder ich irgendwann einen teuren Akkuwechsel vornehmen muss, muss sich noch herausstellen. Nokia gibt an, dass das einmalige Laden für bis zu zwölf Monate genügt.

Die Webseite des bei Withings / Nokia sogenannten HealthMate, entspricht im Aussehen und Funktion der App und bietet im Vergleich zur App keinen weiteren Mehrwert.

So genau sind die Analysewaagen

Alle drei Testgeräte habe ich parallel zur selben Zeit mit dem InBody 770 für professionelle Anwendungen verglichen. In meine Bewertung sind die Angaben für Körpergewicht, Fett-, Muskel- und Wasseranteil eingeflossen.

Eins vorneweg: das Gewicht konnten alle drei Geräte ohne größere Abweichungen sehr genau ermitteln. Eine echte Punktladung macht die Waage von Beurer. Sämtliche Werte stimmten exakt mit den Werten des professionellen Gerätes überein! Hut ab für so viel Genauigkeit bei einem so kleinen Gerät!

Nur wenig schlechter schneidet die Waage von Soehnle ab. Das Gewicht ist identisch mit dem per InBody 770 ermittelten. Fett, Wasser und Muskelmasse haben eine absolut akzeptable Abweichung von nur zwei Prozent. Damit ist auch das Gerät von Soehnle absolut zu empfehlen.

Die Waage von Nokia ist etwas ungenauer in unserem Test. Bei der Analyse des Fettanteils zeigt sich eine Abweichung von zwölf Prozent und beim Wasseranteil von fünf Prozent im Vergleich zum professionellen Gerät.

Erstaunt stellte ich allerdings fest, dass ich bei der Messung mit der Nokia-Waage 30 Kilogramm Muskelmasse mehr habe als bei den beiden anderen Waagen und dem Referenzgerät. Auf Nachfrage teilte mir Withings / Nokia mit, dass bei der Angabe des Muskelanteils die Menge des Blutes, die Herzmuskelmasse sowie das Gewicht der übrigen Organe mit eingerechnet werden. Das hört sich plausibel an, denn sicherlich haben Organe einen ähnlichen elektrischen Widerstand wie Muskeln. Denn die Analyse sämtlicher Werte erfolgt durch die Ermittlung des Widerstandes, während ein minimaler elektrischer Strom durch den Körper fließt (Fett leitet elektrischen Strom schlechter als Muskeln oder Körperflüssigkeiten). Üblicher scheint zumindest die Angabe der mageren Muskelmasse zu sein, wie es Beurer, Soehnle und das professionelle InBody Gerät machen.

Mein Fazit zu den Körperanalyse-Waagen

Es ist erstaunlich, wie genau Körperanalysenwaagen für den Heimgebrauch die Körperzusammensetzung ermitteln können.

Ganz eindeutig liegt die BF-850 von Beurer auf dem ersten Platz. Sowohl die Genauigkeit als auch die Nutzbarkeit der App als Gesundheits-Manager und darüber hinaus die anwenderfreundliche Darstellung der Werte auf der Webseite sind in diesem Vergleich unschlagbar. Mit etwa 50,- Euro ist dieses Gerät darüber hinaus das günstigste im Test.

Den zweiten Platz teilen sich die Shape Sense Connect 200 von Soehnle sowie die Body Cardio von Withings / Nokia. Die Soehnle liefert genaue Ergebnissse und das Display ist sehr gut abzulesen, die App ist übersichtlich. Doch im Vergleich zu Beurer bieten weder die App noch die Webseite die Möglichkeit, diese als echten Gesundheitsmanager zu nutzen und mit den Daten mehr anzufangen. Preislich bewegt sich diese Waage bei etwa 65,- Euro.

Die Body Cardio von Withings / Nokia landet deshalb noch auf dem zweiten Platz, weil ich die Verbindung per WLAN im Alltag als ausgesprochen praktisch empfand, das Gewicht präzise ermittelt wurde und die Ungenauigkeit bei der Messung von Fett- und Wasseranteil noch im tolerablen Bereich liegen. Unnötig empfinde ich allerdings, dass Nokia einen eigenen Weg beschreitet bei der Analyse der Muskelmasse, denn so hat man nicht die Möglichkeit, seine Werte mit einer professionellen Messung beim Arzt oder im Fitnessstudio zu vergleichen. Mit etwa 100,- Euro ist diese Waage mit WLAN deutlich teurer als die beiden Vergleichsprodukte.

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Ihr Jan Kunde

Die Withania GmbH

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Dr. Jan Kunde