Tausche Jil Sander gegen Isabel Marant

Geschrieben von Ulrike Schattenmann Zuletzt aktualisiert: Montag, 05 Dezember 2016
Absolut trendy: Upcycling von Kleidung und Swap-Parties © ViewApart - Fotolia.com
Absolut trendy: Upcycling von Kleidung und Swap-Parties © ViewApart - Fotolia.com

Tausche Jil Sander gegen Isabel Marant

Swap-Partys, Kleider-Bibliotheken und Upcycling-Stores sorgen für Abwechslung im Kleiderschrank – und sind Alternativen zum schnelllebigen Modekonsum.

Die Kleiderei ist kein gewöhnlicher Fashion-Store. Hier kann man Klamotten ausleihen wie Bücher in einer Bibliothek. 26 Euro kostet der Monatsbeitrag, dafür gibt es vier Kleidungsstücke, die man einen Monat lang behalten darf. Die Idee dazu hatten vor einem Jahr zwei Studentinnen aus Hamburg, Pola Fendel und Thekla Wilkening. „Wir standen eines Abends vor einem übervollen Kleiderschrank, hatten aber nichts passendes zum Anziehen. Unser erste Impuls war, loszuziehen und etwas Neues zu kaufen. Doch genau dieses Verhalten wollten wir ändern“, erzählt Pola Fendel. 

So entstand die Idee des Kleiderverleihs. „Leihen ist einfach ein gute Alternative zum Konsumwahn“, findet Fendel. Bestückt wird die Kleiderei aus dem Fundus von Freunden und der Familie. Außerdem arbeiten Fendel und Wilkening mit Jungdesignern zusammen, die unverkäufliche Einzelteile zur Verfügung stellen. Gerade sind sie mir ihrem Konzept online gegangen, der Online-Shop wurde per Crowdfunding finanziert.

Adressen 

Kleiderei Hamburg, Bartelsstr. 65, Hamburg, www.kleiderei.com

Veist Kleidergeschichten, Selchower Straße 32, Berlin, www.veistberlin.com

Water to Wine Designladen, Auguststraße 82, Berlin, www.watertowine-berlin.tumblr.com

Upcycling Fashion Store, Anklamer Straße 17, Berlin. www.upcycling-fashion.de

Auf der Plattform www.kleiderkreisel.de kann man Kleidung tauschen, verkaufen oder verschenken. 

Garment Collecting: H&M sammelt gebrauchte Kleidung ein. Für jede Tüte voller Altkleider erhalten Kunden einen Rabattgutschein.

 

Sharing is Caring

Die textile Leihbibliothek passt gut zur neuen Konsumkultur, in der Besitz immer unwichtiger wird. Teilen-statt-Kaufen, Share Economy nennt sich der Trend. Anhänger teilen sich bereits Wohnungen, Autos und Bohrmaschinen – warum nicht auch Abendkleider und Designerteile? Nicht nur finanzielle Gründe treiben die Anhänger des kollektiven Konsums an, es geht auch um ökologische und ethische Aspekte. Wer teilt, anstatt zu kaufen, wer Produkte, anstatt sie wegzuwerfen, in einen neuen Kreislauf überführt, schont Ressourcen und die Umwelt. In der Modebranche mit ihren problematischen Produktionsbedingungen eröffnet die Share Economy neue, nachhaltigere Wege des Konsums. Sie reichen vom Kleiderverleih über Klamottentausch bis zur Neuverwertung von Textilabfällen, dem sogenannten Upcycling.

Anti-Aging für teure Luxusfummel

Gerade teure erstandene Ausgehfummel verstauben oft im Kleiderschrank. Deswegen kamen Sandra Trögl und Anna Veit schon vor zwei Jahren auf die Idee, in ihrem Berliner Second Hand Shop „Veist“ Mode nicht zu verkaufen, sondern auch auszuleihen. Ein Service, der besonders während der Fashion Week, an Weihnachten und Silvester stark nachgefragt wird. Damit die Geschichten zu den Klamotten nicht verloren gehen, schreibt Trögl sie auf und hängt sie an die Kleidungstücke – eine schöne Idee. So erfährt man etwa, dass die Besitzerin des mintgrünen Babydolls immer Mad Men geguckt hat oder dass das schwarze Kleid mit dem Spitzenkragen ein spontaner Fehlkauf in Paris war.

Eine gute Möglichkeit zum Kleidertauschen bieten auch sogenannte Swap-Parties. Sie stammen ursprünglich aus den USA, finden aber auch hierzulande immer mehr Anhänger. Das Prinzip: Jeder kann hinkommen und seine aussortierten Kleider und Schuhe mitbringen. Die Kleidungsstücke werden am Eingang abgegeben, dort auf Qualität geprüft und dann nach Größen auf Kleiderstangen sortiert. Gegen eine Tauschpauschale kann man sich im Anschluss so viel aussuchen, wie man möchte.

Wider die Wegwerfmentalität

Beim Kleidertausch treffen zwei Gedanken zusammen, die in der Modebranche immer noch schwer vereinbar sind. Die Lust auf neue Klamotten und Nachhaltigkeit. Tauschen sorgt für Abwechslung im Kleiderschrank und setzt trotzdem ein Zeichen gegen den Überfluss. Die Massenproduktion der Modeindustrie lässt unsere Kleiderschränke überquellen. Ketten wie Mango, H&M und Zara drücken ihre Kollektionen in immer kürzeren Zyklen auf den Markt. Wenn ein Laufsteg-Look aus Paris gut ankommt, ist er binnen weniger Wochen kopiert und für einen Spottpreis in der nächsten Shopping-Mall erhältlich. Laut Greenpeace haben deutsche Verbraucher im Jahr 2011 eine Milliarde T-Shirts gekauft. Das macht 70 Shirts pro Bundesbürger.

Gleichzeitig erhöht der schnelllebige Konsum die Wegwerfmentalität: „Die Berge an abgelegter Kleidung werden von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Thomas Ahlmann vom Verband FairWertung. Ungefähr 750 000 Tonnen ausrangierter Textilien landen in deutschen Sammelstellen. Das entspricht einer LKW-Schlange, die von Kiel nach München reicht. Etwa 40 Prozent davon ist noch als Secondhand-Artikel verwertbar. Der Rest wird geschreddert, zu Putzlappen verarbeitet oder landet in der Müllverbrennungsanlage.

Upcycling: Neue Mode aus alten Kleidern

Dass man mit diesem aussortierten Textilien durchaus noch kreativ umgehen kann, beweist eine neue Spielart grüner Mode: Upcycling. So nennt man es, wenn Modemacher aus Textilabfällen neue Kleidungsstücke entwerfen. Wie Sarah Schwesig, die alte Herrenbuxen in elegante Damenhosen verwandelt, mit zwei tiefen Kellerfalten am Gesäß und hohem Bund in der Taille. Wo hinten war, ist jetzt vorne, der Knopf zum Schließen befindet sich jetzt auf der Rückenseite.

Die Hosen stammen aus dem Fundus der Berliner Stadtmission. Die Hilfsorganisation hat vor kurzem ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem verschiedene Designer überschüssigen Bekleidungsspenden neues Leben einhauchen; „Water to Wine“ nennt sich das Label, im gleichnamigen Shop findet man neben Schwesigs Hosen auch andere tolle Sachen: Etwa federleichte dunkelblaue Steppjacken mit XXL-Kragen und raffiniertem Schnitt; entstanden sind sie aus ausrangierten Wetterjacken von Mitarbeitern der Deutschen Bahn. Die abstrahierten Engel am Schlüsselanhänger waren einmal Turnmatten und die Küchenschürzen Herrenhemden. Natürlich sei Upcycling nichts für jedermann, sagt Schwesig, „es ist eine cooler, witziger Weg, sich nachhaltig einzukleiden“. Und dabei höchst individuell.

Massenware gibt es schließlich schon genug.

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Ich gehöre genau zur Zielgruppe: ich bin über 40, habe wie die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ein reichhaltiges Nahrungsangebot, oft wenig Bewegung und möchte dennoch gesund und fit alt werden. Die Quadratur des Kreises? Aus wissenschaftlicher und journalistischer Neugier probiere ich gern Dinge aus, z.B. eine Panchakarma Kur in Indien oder auch das Faszientraining. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg für ein zufriedenes und aktives Alter(n) finden.

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