Vegane Kleidung: Ich war eine Plastikflasche

Geschrieben von Ulrike Schattenmann Zuletzt aktualisiert: Montag, 05 Dezember 2016
Vegane Mode macht Furore © Eric Mirbach
Vegane Mode macht Furore © Eric Mirbach

Große Fensterfront, heller Raum, weiße Wände: dekorativ hängen Shirts, Pullover und Hosen an Holz-Seil Konstruktionen. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der vegane Concept Store „Dear Goods“ in Berlin Prenzlauer Berg nicht von anderen hippen Modeläden im Kiez. „Guck mal, der sieht cool aus“, sagt eine junge Frau mit modischer Kastenbrille zu ihrem Begleiter, während sie die Kapuze eines Parkas in den Händen dreht.

Der ist wirklich besonders, nicht nur was den Schnitt mit dem schrägen Reißverschluss anbelangt, sondern auch das Material: Denn das Futter, das sich so weich und fein anfühlt wie Kaninchenfell, ist ein Gemisch aus Hanf, Acryl und recycelten Plastikflaschen. Bei Dear Goods sind Pelz und Wolle tabu, ebenso Seide, Leder oder Daunen.

Mode ohne Pelz, Wolle und Seide

Veganismus ist der neue Trend. Immer Menschen interessieren sich für ein Leben ohne Tierprodukte. Nach der Ernährungs- und Gastrobranche hat die neue Lifestyle-Strömung auch die Modewelt erreicht. Wer sich vegan ernährt – in Deutschland tun das laut Vegetarier Bund VEBU etwa 900.000 Menschen – legt zwar nicht auch zwangsläufig Wert auf tierfreundliche Kleidung; aber viele, die ihre Ernährungsgewohnheiten umgestellt haben, landen irgendwann auch bei veganer Mode. Der typische Vegetarier ist weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und lebt in einer Großstadt.

Es ist gar nicht so schwierig, sich tierfreundlich einzukleiden – etwa 80 Prozent der konventionell produzierten Kleidung erfüllt die Kriterien, sagt Christina Wille, Store Managerin von Dear Goods in Berlin. „Die Herausforderung ist es, Modelabels zu finden, die vegan, öko und fair produzieren.“ Denn nicht alle Textilien, die Tierschützer feiern, sind auch nachhaltig. So marschieren strenggläubige Veganer lieber auf Plastiksohlen durch die Welt, auch wenn bei der Produktion von Kunstleder Lösemittel und Weichmacher verwendet werden und man letztlich auf Erdölchemie angewiesen ist. 

Vegan heißt nicht zwangsläufig nachhaltig

Das Spannungsfeld lässt sich ganz gut an den Preisträgern des PETA Vegan Fashion Award ablesen, der 2013 zum ersten Mal verliehen wurde. Neben veganen Modepionieren wie die Berliner High Fashion Marke Umasan oder Newcomern wie dem Streetwear-Label Bleed befanden sich auch H&M und Esprit unter den Preisträgern. Also Unternehmen, die nicht gerade dafür bekannt sind, bei ihren Zulieferern auf faire Arbeitsbedingungen zu achten. Man sei sich des Konfliktfeldes bewusst, sagt Frank Schmidt, PETA-Kampagnenleiter für den Bereich Bekleidung, „aber wir honorieren es, wenn Modehäuser auf Exotenleder oder Echtpelz verzichten.“ H&M hat letztes Jahr auf schockierende Videos der Tierschutz-Organisation reagiert, die den brutalen Umgang mit Kaninchen bei der Fellgewinnung zeigen, und Angorawolle aus dem Sortiment verbannt.

Fasern aus Buchenholz

Dank der Entwicklung neuer, innovativer Fasern können Designer aber inzwischen auf Materialien zurückgreifen, die gleichzeitig Tier-, Menschen- und umweltfreundlich sind. Etwa Modal, das aus zerkleinertem Buchenholz hergestellt wird. Der Stoff ist elastisch und fällt körpernah, eignet sich also gut für T-Shirts oder Unterwäsche. Oder Tencel, ebenso wie Modal eine Zellulose- und damit eine modifizierte Viskosefaser; das Rohmaterial ist hier Eukalyptus-Holz. Der Hersteller, eine österreichische Firma, hat ein umweltschonendes Verfahren entwickelt, das mit weniger Chemie als üblich auskommt. Tencel kommt daher in der Umweltbilanz ähnlich gut weg wie die wasserintensive Öko-Baumwolle und hat zudem noch andere Vorteile: Es erinnert in der Haptik und im Tragegefühl an Seide, dem Lieblingsmaterial vieler Designer.

Ein anderes spannendes Material ist Tyvek, er kommt als Dämmstoff vorwiegend in der Baubranche zum Einsatz. Anne Trautwein hat die Faser während ihres Designstudiums entdeckt und daraus ein Gestrick entwickelt. Anders als Naturwolle quillt und kratzt das aus Polyethylen-Fasern gepresste Spinnvlies nicht, „es ist zudem atmungsaktiv, sehr strapazierfähig und bis zu fünfmal recycelbar“, sagt die Designerin, die auf der Berliner Modewoche zartpastellige Tyvek-Maschenpullis und –kleider ihres Labels Luxaa präsentierte. 

Recycelte Plastikflaschen

Keine Scheu vor ungewöhnlichen Materialien haben auch die Modemacher des Skater- und Surflabels Bleed bewiesen. Ihre robusten Outdoorjacken sind aus recycelten PET-Flaschen hergestellt und mit einer Membran aus Sympatex ausgestattet. Das ist ein Kunststoff, der ebenso wasser- und winddicht wie andere Funktionstextilien ist, aber aus einem geschlossenen Verwertungskreislauf stammt.

Hingucker auf den lässigen Parkas ist ein Patch aus portugiesischer Korkeiche, ein Stoff, der „die Patina und den Griff von Leder hat“, wie Michael Spitzbarth, Designer und Managing Director von Bleed, schwärmt. Bleed hat noch andere coole Kork-Accessoires entworfen, iPad Hüllen etwa oder schmale Gürtel. Entdeckt hat Spitzbarth das Material übrigens ganz zufällig – bei einem Städtetrip nach Porto.

Vegan Fashion

Hier (Link http://www.peta.de/vegane-online-shops-kleidung) informiert die Tierrechtsorganisation PETA über vegane Online Shops. Das erste Magazin für vegane Mode Nouveaux (Link: http://www.noveaux-mag.com/) erschien im März 2015. Vegane und nachhaltige Schuhe internationaler Hersteller kann man über Avesu (Link: http://www.avesu.de/) oder Wills (Link: http://wills-vegan-shoes.com/) beziehen. Auch der vegane Modeladen Dear Goods (Link: http://www.deargoods.com/) mit Filialen in München, Essen und Berlin hat einen Onlineangebot. Vegane Street- und Surfwear gibt es bei Bleed (https://www.bleed-clothing.com), puristisch-elegante Mode von Luxaa unter http://luxaa.de/shop/

Hier können Sie uns einen Kommentar hinterlassen

Sie kommentieren als Gast.

Anti Aging und Well Aging sind genau meine Themen!

Ich gehöre genau zur Zielgruppe: ich bin über 40, habe wie die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ein reichhaltiges Nahrungsangebot, oft wenig Bewegung und möchte dennoch gesund und fit alt werden. Die Quadratur des Kreises? Aus wissenschaftlicher und journalistischer Neugier probiere ich gern Dinge aus, z.B. eine Panchakarma Kur in Indien oder auch das Faszientraining. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg für ein zufriedenes und aktives Alter(n) finden.

Ich bin oft entsetzt, mit welchen Heilversprechen fragwürdige Behandlungen, Diäten, Nahrungsergänzung oder Kosmetikprodukte angeboten werden. Als promovierter Biochemiker mit langer Erfahrung in der Gesundheitsbranche und Journalist möchte ich Ihnen wissenschaftlich fundierte und gründlich recherchierte Artikel rund um das Thema Anti Aging bieten.

Sie haben Themenwünsche oder spezielle Fragen? Ich freue mich über Ihre Vorschläge!

Herzliche Grüße,

Ihr Jan Kunde

Die Withania GmbH

facebook 10 2015

Dr. Jan Kunde