Mit der passenden Unterwäsche immer eine gute Figur abgeben

Geschrieben von Ulrike Schattenmann Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12 Januar 2017
Ob BH oder Shapewear - so sitzen sie richtig © Voyagerix - Fotolia.com
Ob BH oder Shapewear - so sitzen sie richtig © Voyagerix - Fotolia.com

Der String-Tanga ist tot, das Betty-Page-Mieder lebt und Shapewear ist voll angesagt. Es ist gar nicht so einfach, den passenden BH oder eine gute Shapewear zu finden.

Passform und Qualität - sonst sitzt es nicht

„Ein Büstenhalter, der unter 20 Euro kostet, taugt nichts.“ Das ist die Meinung von Caroline Kratzsch. Die Geschäftsführerin von Körpernah am Nollendorfplatz in Berlin weiß, wovon sie redet. Seit 23 Jahren ist sie im Wäsche-Geschäft; bei ihr zählt nicht Design-Chichi, sondern Passform und Qualität. Bei einem guten BH kommt es auf Verarbeitung und Stoffe an, damit es nicht ziept und drückt. „Hier, schauen Sie mal, dieser Büstenhalter besteht aus 43 Einzelteilen. Die Bügel sind unterfüttert, die Nähte nicht spürbar, der Stoff zwischen den Cups und an den Seiten nicht elastisch, sondern fest, denn dort sind die Hauptbelastungspunkte, und die leiern schnell aus.“

Dicht an dicht hängen Qualitäts-Marken wie Marie Jo, Marlies Dekkers oder Primadonna in dem schlauchigen Laden am Nollendorfplatz. Es gibt eine Maßschneiderin, die Korsagen und Büstenhalter individuell anpasst, Personal das ausführlich berät und je nach Bedarf Cup-Größen von 65D bis 100H aus einer der vielen Pappschachteln zaubert. Körpernah ist eines der wenigen verbliebenen klassischen Fachgeschäfte in Berlin, spezialisiert auf ungewöhnliche Größen.

Wobei, was heißt ungewöhnlich? Zu Kratzsch kommen Mütter mit Teenager-Töchtern, die einen mädchenhaften schmalen Unterbrustumfang, aber bereits sehr große Brüste haben. Nicht ganz schlanke Frauen mit großer Oberweite, die keine fleischfarbene BHs im Oma-Look, sondern schicke Lingerie suchen. Transsexuelle Männer, die obenrum aufpolstern und untenrum kaschieren wollen. So einige Körper lassen sich nicht in die normierten Größen der Bekleidungsindustrie pressen.

Keine Wäsche von der Stange gibt es auch in einem eleganten Laden ein paar Straßen weiter, der sich etwas sperrig Reizschmiede nennt. Besitzerin Karin Thiele hat sich auf Vintage-Dessous spezialisiert, inspiriert von der Burlesque- und Pin-Up-Girl-Epoche und Labels im Sortiment, die es in Berlin nirgendwo sonst gibt. Die hochgeschnittenen Ruffle-Panties und die robusten, breiten Strumpfhalter etwa sind von ‚What Katie did’. Von Maison Close aus Italien stammen die schlichten wollweißen Baumwolltanktops mit Strumpfhaltern, die nur vordergründig unschuldig aussehen: Sie liegen eng wie eine zweite Haut am Körper und sind komplett transparent.

Shapewear mogelt Pfunde weg

Nicht enthüllen, sondern kaschieren will eine neue Generation an Unterkleidung: Shapewear. Der Clou bei dieser figurformenden Unterwäsche sind die elastischen High-Tech-Materialien, die nahtlos verarbeitet werden. Sie pressen störende Pfunde zusammen und sorgen für Kurven an den richtigen Stellen. Im Grunde, sagt Thiele, funktioniert Shapewear wie ein Kompressionsstrumpf (und fühlt sich auch so an). „Man kann damit bis zu einer Konfektionsgröße wegmogeln. Das ist gerade bei dünnen Jerseykleidern, die immer etwas auftragen, ideal.“ Fast jede Wäschemarke von Calvin Klein bis Triumph hat inzwischen solche Figurformer aus Mikrofaser im Sortiment. Thiele schwört allerdings auf eine Marke aus Brasilien, die mit dem Slogan „Respektiert die Kurven“ und angenehm vollschlanken Models wirbt: Plié. Deren Maxislips, Freestyle Bodys und Taillenhöschen rutschen nicht, sind vergleichsweise leicht und sehen fast sportiv aus.

Woher kommt die modische Rückbesinnung auf Wäsche der 30er, 40er und 50er Jahre, die mit ihrem tiefen Beinausschnitt und hohen Bund mehr ver- als enthüllt? Vielleicht ist in einer Gesellschaft, die keine Tabus mehr kennt, angedeutete unterschwellige Erotik aufregender als freizügige Nacktheit. Jutta Teschner hat dafür noch eine andere, pragmatischere Erklärung: „Das ist die Gegenbewegung zu der Mini- und Mikrowäschemode. Jetzt ist eben alles, was in der Taille abschließt, im Kommen.“

Die Modedesignerin hat vor 15 Jahren ihr Label Fishbelly gegründet; heute verkauft sie ihre Wäsche weltweit von New York bis Tokio. In ihrem Laden-Atelier hängen die Stücke ihrer neuen Kollektion: Miederröckchen mit Strumpfhaltern, ein offener, mit Schleife verzierter BH, der entsprechende Stellen unbedeckt lässt. Die Wäsche, die dem berühmtesten aller Pin-Up-Girls, Betty Page bestimmt gefallen hätte, fungiert im Moment eher als Eyecatcher fürs Schaufenster, sagt Teschner. Denn die Nachfrage nach Dessous korrespondiere immer mit der nach der Oberbekleidung: „Solange Frauen noch auf der Hüfte sitzende Jeans im Kleiderschrank haben, kaufen sie sich keine Miederhöschen“.

 

Wäsche-Wissen

Die Brust hat ein Eigenleben

75 Prozent aller Frauen tragen die falsche BH-Größe, weil die Brust im Laufe eines Lebens größer oder kleiner wird, unabhängig davon, ob der Rest des Körpers zu- oder abnimmt. Deswegen sollten Frauen sich regelmäßig vermessen lassen.

So muss ein BH sitzen

Das Rückenteil darf nicht höher liegen als der Bügel auf der Vorderseite (lesen Sie dazu auch unseren Artikel "Welche Unterwäsche passt zu mir am besten?"). Die Brüste sollen die Cups ausfüllen, aber nicht herausfallen, wenn man sich nach vorne bückt. Bügel und Steg liegen flach auf dem Brustkasten (nicht auf dem Busen) und die Träger schneiden nicht ein oder rutschen von den Schultern.

Die Standard-Körbchengröße ergibt sich aus der Differenz zum Unterbrustumfang. Eine Differenz von 20 Zentimetern entspricht einem D-Cup, eine von 16 einem C-Cup, eine von 14 einem B-Cup usw. Beispiel: Bei einem Brustumfang von 86 und einem Unterbrustumfang von 70 Zentimetern beträgt die Differenz 16 Zentimeter – das entspricht der BH-Größe 70 C. Wer jetzt an der Unterbrust zunimmt, ohne dass sich die Brust selbst verändert, hat dann schon eine 75 B.

Richtig waschen

Wer BHs, insbesondere Bügel-BHs in der Maschine waschen will, sollte sie an Haken und Ösen verschließen und in ein Wäschesäckchen stecken. Weil farbige Wäsche abfärben und weiße Wäsche stumpf und grau aussehen lassen kann, immer getrennt waschen – auch bei der Handwäsche.

Schalen-Pflege

Push-Up BHs mit Schalen immer so waschen und zusammenlegen, dass die Schalen in ihre normale Richtung - nach außen - gewendet sind. Sind sie nach innen umgestülpt, können sie ausbeulen und faltig werden.

 

Kommentare (4)

  • Madlen Kurl

    04 Oktober 2016 um 16:14 | #

    Schöner Beitrag bezüglich Busenhalter und BHs. Hat mir sehr gut gefallen. Liebe Grüße Madlen.

    http://www.themen-blog.de/2016/10/02/wo-kauft-ihr-eure-bhs/

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  • Yvonne Kuefer

    13 Februar 2017 um 15:57 | #

    Den richtigen BH zu finden ist wirklich gar nicht einfach! Ich habe gehört, dass die meisten Frauen Unterwäsche in der falschen Größe tragen. Für Valentinstag möchte ich meinen Partner gerne mit etwas schönem überraschen und werde mich dafür auf jeden Fall gut beraten lassen, um das passende zu finden. Viele Grüße

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  • Jenny Eckhardt

    22 Juni 2017 um 08:15 | #

    Vielen Dank für den Beitrag. Ich selbst, achte sehr auf die Qualität beim Kauf meiner Lingerie. Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass es meist unbequem werden kann, wenn man kostengünstige Lingerie kauft. Glücklicherweise konnte mir eine Freunde einen guten Händler empfehlen.

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    • Jan Kunde

      02 Juli 2017 um 10:33 | #

      Ein Händler / Geschäft mit guter Beratung ist wirklich das A&O!

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