Korrekte Klunker: schöner Schmuck fair und nachhaltig produziert

Geschrieben von Ulrike Schattenmann Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07 Juli 2016
Schmuck aus Kaffee-Kapseln schön und nachhaltig (Quelle: oldgold Berlin)
Schmuck aus Kaffee-Kapseln schön und nachhaltig (Quelle: oldgold Berlin)

Sadike sitzt auf dem Sofa und lässt geschickt türkises Garn aus einer Spule durch ihre Finger laufen, während Ann-Kathrin Carstensen bespricht, was heute anfällt: „Neue Swarovski-Steine sind gekommen, das Design des Kragens muss noch mal verändert werden, und guck mal, wir sind wieder in der Zeitung.“ Sadike hört konzentriert zu, die Augen auf ihre Hände gerichtet, die immer in Bewegung sind. Sie ist eine der türkischen „Häkelköniginnen“, wie sie Carstensen nennt, Frauen, die Muster knüpfen können, wie hierzulande keine: Hauchdünn wie ein Netz aus Spinnenseide, kunstvoll wie Ornamente in einer orientalischen Moschee.

Die Häkelarbeiten sind das Markenzeichen von Rita in Palma, dem Accessoire-Label, das die Mode-Designerin Ann-Kathrin Carstensen vor zwei Jahren gegründet hat. Das Sortiment umfasst filigrane Zierkrägen in Pastellfarben, dreieckige Anhänger und Schleifchen, die an langen Gold- und Silberketten baumeln, Colliers aus Blüten, aufwändig mit Glitzersteinchen verziert. Die Zeitschrift Vogue war so begeistert, dass sie das Label in ihre Nachwuchsinitiative aufgenommen hat – ein Ritterschlag in der Branche.

Schmuck mit sozialem Anspruch

Die Veredelung von traditioneller Handarbeit zu High Fashion trifft den Zeitgeist, aber Rita in Palma ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Denn hinter dem Projekt steckt ein sozialer Anspruch: Türkische Frauen bringen ihre Fertigkeiten ein, bekommen dafür Honorar und vor allem Wertschätzung. „Anfangs habe ich das Design vorgegeben, aber inzwischen machen die Frauen Vorschläge, bringen neue Muster mit und wir diskutieren zusammen die Entwürfe“, sagt Carstensen. Für den sozialen und integrativen Ansatz wurde Rita in Palma von der Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet.

Es ist gar nicht so einfach, schönen Schmuck zu finden, der korrekt produziert wurde. Während sich das Segment Green Fashion langsam aber sicher einen festen Platz in der Textilindustrie erobert und nicht nur Designerlabel, sondern auch Massenhersteller wie H&M Strategien zur Nachhaltigkeit entwickeln, steckt man in der Schmuckbranche noch in den Kinderschuhen. Seit 2011 gibt es zwar ein Siegel für Fair Trade Gold in der Schweiz und in England, aber nur wenige Lieferanten verkaufen Edelmetalle und Edelsteine aus unbedenklicher Herstellung. Das macht es für kleine Labels und handwerkliche Betriebe kompliziert und teuer, auf „grünes Gold“ umzusteigen.

Goldminen ohne Einsatz giftiger Chemikalien

Die Goldschmiedin Felicitas Seidler hat lange Zeit Material von einer argentinischen Mine bezogen, in der das Gold ohne den Einsatz von giftigen Chemikalien gelöst wird. „Aber plötzlich musste ich bei dem Lieferanten immer eine Mindestmenge von 20 Gramm bestellen, das lohnte sich für mich nicht mehr“, sagt die Designerin. Ein weiteres Problem: Das Material lag nur als Feingold vor, nicht als Legierung oder Draht – ideal, um daraus Trauringe zu schmieden, aber ungeeignet für die grafisch-reduzierten Schmuckserien, die zierlichen Ringe und feinen Ketten mit den schlichten Glassteinen, wie sie Seidler entwirft.

Aber bald ist man auch in der Schmuckbranche einen Schritt weiter. „Der Bedarf ist da und wächst“, sagt Werner Herget, Geschäftsführer des Vereins ÖkoAndina, einer Initiative, die sich für umweltverträglichen und fairen Edelmetallabbau einsetzt. Im Moment arbeite man daran, finanzielle Grundlagen dafür zu schaffen, beständig Öko-Gold anzukaufen.

Anhänger aus Kaffeekapseln

Bis dahin können bewusste Konsumenten sich auch an Schmucklabels halten, die mit recyceltem Material arbeiten. Manches erscheint erst einmal kurios, etwa die Idee, ausgediente Kaffeekapseln in Schmuckstücke zu verarbeiten, wie es das Label oldGold macht. Aber die Broschen, Anhänger, Ohrringe und Armbänder sehen witzig aus und gar nicht so ausgefallen wie erwartet. Sie sind teilweise durch Süßwasserperlen und feinen Silberdraht ergänzt und glänzen silber-, gold- und bronzefarben – in allen Schattierungen der Nespresso-Cups.

Ziemlich schick und trendig kommt das Recycling-Label Jellah daher. Designerin Jessica Strzys verarbeite Lederreste zu Schmuckstücke. „Das Material bleibt bei der Produktion von orthopädischen Schuhen übrig, ich beziehe es von einem Werk in Kreuzberg“, erzählt Strzys, die vor kurzem ihr Architektur-Studium beendet hat. Die roten, blauen, schwarzen, olivfarbenen Lederstücke schneidet und stanzt sie in Handarbeit zu langen Streifen oder kleinen Kreisen, arrangiert sie kunstvoll und hängt sie an zartgliedrige vergoldete oder Silber-Ketten. Die Kombination aus echtem Leder und Edelmetall wirkt edel und lässig zugleich – ideal für alle, die gern schlichte T-Shirts und Pullover aufpeppen.

 

Internetadressen:

Rita in Palma www.rita-in-palma.com

Felicious Jewellery www.felicious.com

Oldgold www.oldgoldberlin.de

Jellah www.jellah.com

 

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