Zeigt her Eure Beine - Strümpfe als modisches Statement

Geschrieben von Ulrike Schattenmann Zuletzt aktualisiert: Montag, 05 Dezember 2016
Strümpfe als modisches Statement © Hudson by Kunert
Strümpfe als modisches Statement © Hudson by Kunert

Strümpfe werden in ihrer Bedeutung als Accessoire häufig noch unterschätzt. Am Angebot liegt das nicht; Strümpfe von Herstellern wie Kunert oder Falke sind alles, nur kein billiges Gebrauchsprodukt: Gefertigt aus edlen Garnen wie Kaschmir oder Merino-Wolle, gibt es sie in allen erdenklichen Farben und Dessins, mit feiner Lochstruktur, großflächigem Karo-Muster oder zweifarbigen Shadow-Effekten. Aber der Großteil der hiesigen Damenwelt hat zur Strumpfmode eine konservative Einstellung: Sie bevorzugt ihre Nylons lieber dezent und unifarben als bunt und gemustert.

Dabei können Frauen mit Strümpfen durchaus ein Fashion Statement setzen. Wie das geht, zeigt seit kurzem ein Label namens Augustin Teboul. Das deutsch-französische Designer-Duo feierte 2011 sein Debüt auf der Berlin Fashion Week; seitdem werden Odély Teboul und Annelie Augustin als das „nächste große Ding“ gehandelt, weil sie so aufwendig arbeiten wie sonst nur Haute-Couture-Label und gleichzeitig einen Schuss Punkrock in ihre Kreationen bringen. Ihre Kollektionen sind ausschließlich in schwarz gehalten und mit wunderschönen Details verziert: Filigran geknüpfte Perlenstränge, spinnwebzarte Stickereien, dreidimensionale Häkeltrichter schmücken Seidenkleider, Lederbustiers – und Strümpfe.

Gehäkelte Luxus-Leggins

Die sind für den Gesamtlook der Kollektion kein zweitrangiges Accessoire, sondern ein wesentlicher Bestandteil, sagt Odély Teboul: „Wir mögen Strümpfe, weil sie wie eine zweite Haut sind. Sie sind typisch für unsere Arbeit, genauso wie die Stickereien und Häkelarbeiten.“ Die Couture Leggins mit den – von den Designerinnen persönlich angefertigten – Handarbeiten haben ihren Preis: 570 Euro kostet das edle Beinkleid von Augustin Teboul. Ein Luxusgegenstand.

Darüber würde sich Michael Schödel freuen. „Strümpfe haben heute nicht mehr den Stellenwert wie früher, sie sind zum schnell ersetzbaren Accessoire verkommen“, sagt der Kulturwissenschaftler und Ausstellungsplaner. Schödel ist Experte, wenn es um Beinbekleidung geht; seit 20 Jahren sammelt und sichtet er Objekte zur Geschichte der Strumpfherstellung. 50.000 Exponate sind es inzwischen, darunter historische Herrenlederstrümpfe aus dem 18. Jahrhundert, die erste Rundstrickmaschine der Welt und Original-Entwürfe des berühmten Pop-Art-Modezeichners Antonio Lopez für die Firma Hudson. Es gibt wohl in ganz Deutschland keine Mode-Sammlung mit einem ähnlich lückenlosen Bestand. Sie hat ihr Zuhause im Strumpfmuseum

Für jeden Typ der passende Strumpf

Um Strümpfe zu tragen, muss man keine Figur wie ein Model haben! Allerdings sollte man bei der Auswahl des Musters ein wenig auf die richtige Auswahl achten. Wer eher kurze Beine hat, fährt mit kleineren Mustern besser als mit großen Karos. Außerdem tragen helle und grelle Farben auf - dunklere, weichere Farben lassen die Silhouette schlanker erscheinen. Die meisten farbigen Strümpfe und Strumpfhosen sind mittel bis völlig blickdicht - so verschwinden ganz nebenbei auch noch Besenreiser oder Narben.

Mittlerweile gibt es auch modische Strumpfhosen mit Kompressionswirkung, denen man ihre gesunde Wirkung gar nicht ansieht. Nach einem ganzen Tag auf den Beinen oder auf Flugreisen werden sie den Unterschied deutlich spüren und Ihre Venen werden es Ihnen danken. Bei der Kompressionswirkung gibt es ganz verschiedene Abstufungen - je nach Bedarf.

Ohne Strumpfhose kein Minirock

Die Geschichte der „Beinbekleidungsartikel“ ist eng mit dem Zeitgeschehen verwoben. Perlon etwa, die deutsche Konkurrenz zum amerikanischen Nylongewebe, war in den 30er-Jahren zu militärischen Zwecken entwickelt worden. Es wurde zur Herstellung von Fallschirmen benutzt, mit Perlon-Borsten konnten Waffen gereinigt werden. Erst nach dem zweiten Weltkrieg hat man die zarte Kunstfaser dann zu Strümpfen versponnen. Es ist wohl nicht vermessen zu behaupten, dass drei Jahrzehnte später die Erfindung der Strumpfhose der Emanzipation einen entscheidenden Schub gegeben hat. Strumpfhosen mit eingebauten, blickdichten Slip verdrängen in den 60er Jahren hauchdünne Nylons samt lästigen Strumpfhaltern und unbequemen Hüftgürteln. Sie sorgen für mehr Bewegungsfreiheit und ermöglichen den Siegeszug von revolutionären Modeerscheinungen wie Minirock und Hot Pants. Es ist die Epoche, in der die Beine in den Vordergrund und ins Blickfeld von Designern rücken: Cristóbal Balenciaga, Andrè Courrèges, und allen voran die Engländerin Mary Quandt entwerfen zu ihren Minikleidern knallbunte Strumpfhosen mit Rautenmuster, Leopardenprint oder Op-Art Effekten.

Bis heute scheinen die Briten eine besondere Vorliebe für trashig-bunte Nylons zu haben. Vivienne Westwood präsentiert schon mal glänzende kükengelbe Strumpfhosen oder kombiniert den kurzen Schottenrock mit Kniestrümpfen in rotem Rautenmuster. Und House of Holland, ein junges Londoner Label, lässt es mit längsgestreiften Strümpfen in Bonbontönen und Strumpfhosen mit Buchstabendruck farblich krachen. Dagegen wirken die Entwürfe mit Anker- und Segelschiffmotiven von Jean Paul Gaultier schon fast konventionell.

Wenn es um Strümpfe geht, trauen sich Damen anderswo mehr. Das bestätigt auch eine Nachfrage bei Falke. „Wir verkaufen Strümpfe mit graphischen Mustern oder auffallenden Farben viel besser in Großbritannien, Frankreich oder den skandinavischen Ländern als in Deutschland“, heißt es aus der Pressestelle. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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