Stockholm im Heißluftballon erleben - dem Himmel entgegen

Geschrieben von Rasso Knoller Zuletzt aktualisiert: Freitag, 08 Juli 2016
Mit dem Heißluftballon über Stockholm © R. Knoller
Mit dem Heißluftballon über Stockholm © R. Knoller

 

„Fahren und Fliegen“ – welch Name könnte passender sein für ein Unternehmen, das Ballonflüge organisiert? Mit „Far&Flyg“ werde ich jedenfalls über Stockholm fahren. Der Mann am Brenner heißt Kjell Abrahamsson. Kjell ist Anfang Dreißig, und einer, der viel lacht, aber wenig spricht. Und er ist groß und blond – gerade so, wie man sich einen Schweden vorstellt. Die kurzen Haare hat Kjell unter einer grauen Baseball-Kappe versteckt. Und die trägt er so stolz wie der Kapitän eines Ozeanliners seine Kapitänsmütze. 

So etwas Ähnliches ist er ja auch – nur eben ein Kapitän der Lüfte. Im Kleinbus samt Anhänger geht es zunächst von unserem Treffpunkt quer durch die Stadt; Kjell sucht einen guten Startpunkt für den Ballon. Denn der Wind bestimmt, wo die Tour beginnt. „Die Fahrt!,“ betont Kjell nochmals: „Ein Ballon fliegt nicht“, rügt er meinen Nebenmann. Bei seinem Firmennamen „Fahren und Fliegen“ war Kjell offenbar toleranter.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Nach halbstündiger Fahrt – immer noch mit dem Auto – bringt Kjell den Wagen in der Nähe des Kaknästorn zum Stehen. Der Turm ist mit 155 Metern das höchste Bauwerk Stockholms. Welcher Ort könnte als Startpunkt für Himmelstürmer wie uns passender sein?
Wir, das sind zehn neugierige Touristen und Kjell. Gut, dass der Flug ausgebucht ist, denn es braucht viele Hände, das Fluggerät aufzubauen. Wir wuchten den Korb vom Hänger, heben die riesige Tasche mit der Ballonhülle herunter, legen die Hülle aus und füllen schließlich den Ballon mit heißer Luft. Zunächst wird kalte Luft in den Ballon gepumpt, und diese dann mit einem Brenner auf 80 bis 100 Grad erwärmt. Mit der heißen Luft steigt auch der Ballon nach oben.
Kjell gibt seine Anweisungen ruhig. Wir Ballonlaien gehorchen brav, ziehen mal hier, halten mal da, oder bringen den Brenner in Stellung. Es gibt viel zu tun, bevor Ballonfahrer vom Erdboden abheben können. Es vergehen auch nur wenige Minuten, und schon sind wir Statisten für Fotos und Heimvideos. Bald stehen um uns so viele Zuschauer, dass mancher Fußballbezirksligist neidisch wäre. Einer unserer Zaungäste fragt sogar nach einem Last Minute Ticket. Doch unser Ballon ist kein Billigflieger – auch deswegen muss Kjell dem Interessenten eine Absage erteilen. Er dürfe aber gerne helfen, fordert Kjell den Ballonfan auf – was dieser ohne zu zögern auch tut. Diese zusätzliche Hilfe können wir gut gebrauchen, denn inzwischen drängt es den gefüllten Ballon nach oben. Wir klettern ungeduldig in den Korb, würden gerne endlich abheben, doch Kjell zupft noch hier an einer Leine, richtet da noch das GPS ein oder wechselt die Gasflasche aus. Erst, als auch er mit den Vorbereitungen fertig ist und das Stadtkommando gibt, lassen die Helfer die Leinen los. Die Fahrt über die Stadt beginnt.

Der Wind bestimmt den Weg

Fast unmerklich, erhebt sich unser Ballon. Dennoch gewinnen wir schnell an Höhe, lassen den Kaknästurm bald tief unter und dann weit hinter uns. Der Wind wählt unsere Reiseroute, treibt uns nach Westen, Richtung Stadtzentrum. Der hohe Turm des Stadshuset am Ufer des Mälarsees kommt immer näher, ebenso Gamla Stan mit dem Schloss und der Riddarholmkirche. Und weit hinten am Horizont, vom Dunst der Großstadt in sanftes Licht getaucht, sehe ich den Globen - die große Sportarena, die sich wie ein überdimensionales Ei am südlichen Stadtrand erhebt. 

Ekoparken - Nationalpark mitten in der Stadt

In seinen Werbebroschüren nennt sich Stockholm gerne „das Venedig des Nordens.“ Vergleiche hat die Stadt eigentlich nicht nötig: Sie überzeugt mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Schönheit. Doch wie Venedig ist auch Stockholm eine Stadt des Wassers. Wie sehr, wird uns hier oben bewusst: Vor uns das Meer mit seinen Tausenden von Inseln. Unter uns kleine Seen, Tümpel und Flüsse, und weit im Westen der Mälaren, der große See, an dessen Ufer Teile der Stadt liegen. Aber Stockholm ist von oben nicht nur „Blau“. Auch viel Grün ist zu sehen - riesige Parkflächen innerhalb der Stadtgrenzen. Auch der Ekoparken, der einzige innerstädtische Nationalpark der Welt liegt hier.
400, 500 Meter über der Stadt gleiten wir dahin. Ich sehe die Menschen unter uns in den Straßen. Winzig klein zwar, doch wenn sie ihre Köpfe heben und zu uns hinaufblicken, kann ich das erkennen. Manche winken uns auch zu – und manchmal winke ich zurück. Doch die meiste Zeit genieße ich einfach die Stille, die allerdings in regelmäßigen Abständen durch das laute Fauchen des Brenners unterbrochen wird. Denn um die Höhe zu halten, muss immer wieder nachgeheizt werden.

Bruchlandung inklusive

Vielleicht sind alle Ballonfahrer so schweigsam wie Kjell, weil eine lange Unterhaltung hier oben gar nicht möglich ist. Wer zuviel spricht, dessen Worte werden vom Lärm des Brenners unterbrochen. Und vielleicht lachen alle Ballonfahrer so gerne wie Kjell, weil sie jeden Tag diesen großartigen Ausblick genießen dürfen. Selbst die Vorstädte Stockholms, in denen sich etliche Bausünden befinden, wirken von hier fast attraktiv. Und ein bisschen erinnern die in strenge geometrische Formen gezwängten Viertel mit ihren Fünfgeschosser aus der Luft an Gemälde im Stil des Konstruktivismus und der klassischen Moderne - Malewitsch und Mondrian lassen grüßen.
Nach knapp einer Stunde Fahrt senkt sich unser Ballon langsam. Wir nähern uns dem Landeplatz, der alte Flugplatz von Barkaby. Erstmals seit dem Start meldet sich unser schweigsame Kapitän wieder zu Wort. Haltet Euch gut fest! Geht leicht in die Knie!, instruiert er uns für die Landung. Als wären wir ein Flieger, setzen wir punktgenau auf der Landebahn des alten Flughafens auf. Respekt, Kjell!, denke ich. Doch noch bevor ich mein Lob aussprechen kann, hebt der Ballon wieder ab und hopp, hopp, hopp und flopp – landen wir mit umgestürztem Korb auf der Wiese neben der Landebahn. Das sei normal, sagt Kjell völlig gefasst: Heißluftballone seien den Launen des Windes ausgeliefert – „und haben eben keine Steuerknüppel.“

Info:

www.stockholmtown.com

www.visitsweden.com

www.farochflyg.se

Unsere Buchtipps: 

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