Parodontitis: wie wichtig ist professionelle Zahnreinigung?

Geschrieben von Dr. Rita Baxmann Zuletzt aktualisiert: Samstag, 02 April 2016
Professionelle Zahnreinigung ist wichtig zur Vorbeugung der Parodontitis © von Lieres - Fotolia.com
Professionelle Zahnreinigung ist wichtig zur Vorbeugung der Parodontitis © von Lieres - Fotolia.com

Unsere Zähne sind nicht einfach nur Kauinstrumente, die losgelöst sind vom restlichen Körper. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit unserem gesamten Körper und lassen deutliche Rückschlüsse auf unsere körperliche Gesundheit zu. Viele Studien haben bereits belegt, dass sich Erkrankungen auf schlechte Zähne zurückführen lassen – und auch umgekehrt, dass körperliche Erkrankungen einen krankhaften Zahnstatus verursachen können. Dies wurde anhand von parodontalen Entzündungen festgemacht. Eine Parodontose ist eine bakterielle Entzündung des Kieferknochens und des Gewebes am Zahn. Nach Karies ist die Parodontitis die häufigste Erkrankung im Mund.

Schlechte Mundhygiene und bestimmte Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf

Ein deutlich gesteigertes Risiko wird im Zusammenhang der Parodontitis mit Lungenentzündungen, den chronischen Erkrankungen der Atemwege (COPD) und akuter Bronchitis vermutet. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass Diabetiker ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis haben, der Verlust des Zahnes liegt bei ihnen 15 Mal höher als bei Gesunden.
Eine Würzburger Zahnärztegruppe hat festgestellt, dass Patienten mit Parodontitis eine erheblich verringerte Gefäßelastizität im Gegensatz zu mundgesunden Patienten zeigen. Eine sehr wichtige Information hierbei ist, dass dieser Zustand sich durch professionelle Zahnreinigung verbessern ließ. Nach 12 Monaten hatte sich die Mundgesundheit deutlich verändert: Die Zahnfleischblutungen waren zurückgegangen, ebenso der Biomarker CRP (ein Blutparameter für Entzündungen).
So weiß man mittlerweile, dass bei Dialysepatienten eine schlechte Mundhygiene ein häufigeres Auftreten von Parodontitis verursacht. Die Folge davon ist eine mangelhafte Mundschleimhaut, die wiederum den Kieferknochen negativ verändert. Dadurch wird die allgemeine Kaufähigkeit so beeinflusst, dass der Patient die Nahrung schlechter verarbeiten kann.

Ein direkter Zusammenhang zwischen Herz und Zahn ist nicht vorhanden

Menschen mit chronischer Nierenunterfunktion zeigen häufig eine schlechte Mundgesundheit und einen auffällig hohen Anteil an Parodontitis. Es wird vermutet, dass bei diesen Patienten das ohnehin schon erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die Parodontitis noch gesteigert wird. Viele Untersuchungen zeigen ein Zusammenspiel der parodontalen Entzündung mit dem Risiko sowohl für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als auch mit dem Risiko für Bluthochdruck und Übergewicht.
Jedoch: Es liegen zurzeit keine Studienbelege für einen solchen eindeutigen Zusammenhang zwischen Herzerkrankungen und einer Parodontitis vor. Zu diesem Schluss kommt eine Expertengruppe bestehend aus Zahnärzten, Kardiologen und Infektiologen der amerikanischen Herz Vereinigung AHA (American Heart Association). Behauptungen, dass eine verbesserte Mundhygiene zur Vorbeugung der Parodontitis auch gleichzeitig eine Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen sei, sei schlichtweg nicht haltbar. Bei einer Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankung liegen oft die gleichen grundlegenden Risikofaktoren wie Rauchen, höheres Alter und Diabetes vor. Vermutlich treten deshalb parodontale und kardiale Erkrankungen gleichzeitig auf.

Woran man Parodontitis erkennt

Parodontitis geht oftmals mit schlechtem Atem einher, der durch Bakterien in den Zahnfleischtaschen verursacht wird. Die Folge ist, dass das Zahlfleisch beim Zähneputzen oder Essen blutet. Im akuten Entzündungsstadium tritt ein starker Mundgeruch auf. Begünstigt wird die Entzündung im Mund durch schlechte Mundhygiene, Rauchen, Stress und durch bestimmte Grunderkrankungen wie z. B. Diabetes oder eine Schwächung des Immunsystems.

Die Bundeszahnärztekammer gibt auf ihrer Website viele Informationen rund um die Zahngesundheit und hält für Patienten interessante Broschüren bereit.

Krankenkassen zahlen die professionelle Zahnreinigung nicht

Obwohl bekannt ist, dass eine Parodontitis Auslöser vielfältiger Erkrankungen ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht. Das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) wurde nun beauftragt, die Behandlung von Parodontopathien (Sammelbegriff für alle entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats) zu bewerten. Vielleicht erbringt diese Untersuchung den Beleg dafür, dass eine systematische Zahnreinigung zahlreiche Erkrankungen positiv beeinflussen kann.

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