Fettabsaugung - wann hilft Fett absaugen?

Geschrieben von Withania Zuletzt aktualisiert: Montag, 28 März 2016
Fett absaugen ist keine Methode gegen Cellulite oder Übergewicht © beccarra - Fotolia.com
Fett absaugen ist keine Methode gegen Cellulite oder Übergewicht © beccarra - Fotolia.com

Gegen Cellulite oder allgemeines Übergewicht hilft Fettabsaugen nicht

Bei vielen Menschen verringern sich die Fettpolster an manchen Körperstellen nicht, trotz mehr oder weniger strenger Diät und regelmäßigem Sportprogramm. Anatomisch gesehen ist das meist in jenen Regionen der Fall, wo das Unterhautfettgewebe nicht wie sonst in einer, sondern in zwei Lagen zwischen der Haut und den Muskeln liegt, wobei die zweite, tiefere Lage sozusagen eine Art "Reservefett" bildet und auch anders aufgebaut ist als die oberflächlichere Lage. 

In diesen tieferen Schichten verklumpen die Fettzellen zu regelrechten Trauben. Frauen sprechen in diesem Zusammenhang von "Problemzonen", wie den so genannten Reithosen an den Oberschenkeln, dicken Knien, stämmigen Oberschenkeln oder Oberarmen. Bei Männern sitzen die hartnäckigen Wülste eher um die Taille. Mit Hilfe der seit den siebziger Jahren durchgeführten Fettabsaugung sollen diese problematischen und kosmetisch störenden Fettansammlungen ein für allemal entfernt werden. Aufgrund anatomischer Gegebenheiten gelten als einfach abzusaugende Körperregionen die Knieinnenseiten, die Hüften, die Gesäßoberseite, der Bauch, die Oberschenkelaußenseiten; schwieriger ist eine Absaugung etwa an den Waden. Fast unmöglich ist ein zufrieden stellendes Ergebnis bei einer Absaugung an der Oberschenkelvorder- und -rückseite. Im Gesicht sind Absaugungen möglich, erfordern aber besonderes Geschick des Arztes. Aber ganz allgemein gilt: Das Fettabsaugen hilft nicht gegen Cellulite oder dient als effektive Maßnahme zur Gewichtsreduktion.

Vor dem Eingriff

Eine Fettabsaugung stellt einen chirurgischen Eingriff mit entsprechenden Risiken dar. Verantwortungsvolle Plastische Chirurgen betonen immer wieder, dass eine Absaugung nur bei Menschen in Frage kommt, die ihrem Ideal- oder Normalgewicht ziemlich nahe sind. Grundsätzlich sollte vor jeder Operation die Meinung eines zweiten Arztes eingeholt werden. Wie vor jedem chirurgischen Eingriff ist eine internistische Untersuchung notwendig, die bestätigt, dass der Patient bei guter Gesundheit ist. Da Rauchen zu Durchblutungsstörungen und in der Folge zu schlechter Wundheilung führen kann, ist es sinnvoll, spätestens eine Woche vor dem Termin der Absaugung und bis zu drei Wochen danach den Zigarettenkonsum drastisch einzuschränken oder das Rauchen überhaupt sein zu lassen (s. auch "Raucherentwöhnung").

Der Eingriff

Vor der Absaugung werden die zu behandelnden Körperregionen mit einem Stift angezeichnet - mit einer Art Höhenlinien, wie auf einer topografischen Karte -, um festzulegen, wo wie stark abgesaugt werden muss. Egal, ob der Eingriff in Vollnarkose oder im Dämmerschlaf vorgenommen wird (Die Wahl der Betäubung), unmittelbar vor der Fettabsaugung wird das entsprechende Gebiet mit einer Flüssigkeit aus Lokalanästhetikum, Kochsalzlösung und einem gefäßverengenden Mittel unterspritzt (unter Fachleuten heißt diese Flüssigkeit "Tumeszenzlösung"). Dadurch sind die Fettzellen einfacher abzusaugen, weil etwas verflüssigt; andererseits werden Blutgefäße und Nerven dadurch geschont. Die Absaugung selbst kann mit Hilfe von Kanülen oder Spritzen oder durch Unterstützung durch Ultraschall durchgeführt werden.

Absaugkanülen sind starr, etwas gekrümmt und haben einen Durchmesser von zwei bis sechs Millimetern. Sie sind an eine Saugpumpe mit ungefähr einem Bar Unterdruck angeschlossen - trotzdem erfordert die Absaugung von Seiten des Chirurgen noch einen ziemlich großen Kraftaufwand: Er schiebt die Kanüle durch kleine, vorher mit dem Skalpell gesetzte Einschnitte mehrmals fächerförmig ins Gewebe vor, wo die Fettzellen abgesaugt werden. Um nicht zuviel abzusaugen, schätzt der Arzt vorher die Menge des abzusaugenden Fetts und misst die tatsächlich abgesaugte Fettmenge immer wieder ab. Überdies tastet er zwischendurch das entsprechende Gebiet ab, um das Ausmaß der Absaugung auch zu erfühlen. Zum Schluss wird das abgesaugte Gebiet mit der Hand kräftig glatt gestrichen und die Einschnitte vernäht.

Bei kleineren Eingriffen im Gesicht oder am Kinn oder für Nachkorrekturen bevorzugen manche Ärzte die händische Absaugung mit Hilfe von Spritzen. Widersprüchlich wird die in den letzten Jahren immer mehr in Mode kommende Ultraschall-Fettabsaugung beurteilt: Nach dem Unterspritzen mit der Tumeszenzlösung bringen dünne Kanülen die Fettzellen durch Ultraschallimpulse zum Platzen. Das Fett verflüssigt sich und kann mit geringerer Saugkraft abgesaugt werden - was theoretisch schonender für das Gewebe ist, da Bindegewebsstrukturen von den Ultraschallimpulsen offenbar unangetastet bleiben. In den Händen von in dieser Technik unerfahrenen Ärzten kann es allerdings zu folgenschweren Verletzungen kommen (Die Risiken). Die Dauer des Eingriffs ist je nach der Größe des abzusaugenden Gebietes unterschiedlich. Das Absaugen von Reithosen (ohne Ultraschall) dauert zwischen ein und zwei Stunden.

Die Wahl der Betäubung

Eine Fettabsaugung kann - wenn nur kleine Stellen abgesaugt werden - in Lokalanästhesie und ambulant erfolgen. Bei größeren Eingriffen empfiehlt sich eine Vollnarkose und danach ein Krankenhausaufenthalt von einem Tag. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.

Die Risiken

Werden mehr als fünf Liter Fett und ein halber Liter Blut abgesaugt, kann es zu einer Schockreaktion ähnlich jener nach schweren Verbrennungen kommen. Eine intensivmedizinische Behandlung ist dann augenblicklich nötig. Bei unsachgemäßer Anwendung besteht die Gefahr, dass Muskeln oder Nerven verletzt werden. Wurde nicht genügend Fett abgesaugt, ist das Resultat nicht zufrieden stellend. Eine Korrektur durch eine nochmalige Absaugung kann frühestens nach drei Monaten erfolgen. Dellen, Furchen, Stufen oder Asymmetrien können entstehen, wenn ungleichmäßig abgesaugt wurde. Das kann nur durch eine weitere Absaugung frühestens nach drei Monaten korrigiert werden; oft sind auch die Ergebnisse der Korrektur unbefriedigend.

Bei unsachgemäßer Anwendung von Ultraschall-Fettabsaugung kann es zu Verbrennungen und zu Absterben von Gewebe kommen. Infektionen im Wundgebiet müssen mit entsprechenden Antibiotika behandelt werden, um eine weitere Ausdehnung zu verhindern. Schwer korrigierbare Narben bleiben trotzdem oft zurück. Venenentzündungen und Blutgerinnsel ("Thrombosen") können vor allem dann entstehen, wenn die Patienten nach dem Eingriff zu lange in Ruhe bleiben. Spätestens nach drei Tagen können die normalen Aktivitäten - in moderater Form - wieder aufgenommen werden. Die Gefahr einer verzögerten Wundheilung besteht vor allem bei starken Rauchern. Auch bei normaler Wundheilung können die Narben der Schnittstellen noch ein ganzes Jahr deutlich sichtbar bleiben.

Nach dem Eingriff

Unmittelbar nach der Operation wird ein fester Verband angelegt bzw. je nach abgesaugtem Gebiet Kompressionsstrümpfe oder ein Miederhöschen angezogen. Nach einer Vollnarkose ist ein Tag Krankenhausaufenthalt zur Überwachung nötig. Die Fäden werden nach fünf bis acht Tagen gezogen. Bis dahin sollte nicht gebadet, sondern nur geduscht werden. Blutergüsse und Schwellungen sind nach Fettabsaugungen in einem gewissen Umfang normal. Sie sollten innerhalb von zwei bis drei Wochen verschwunden sein. Während dieser Zeit kann es zu Schlafstörungen kommen, weil die abgesaugten Stellen schmerzen. Ein leichtes Schmerzmittel ist sinnvoll. Nach ca. einer Woche können die beruflichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden, sofern sie keine schweren körperlichen Arbeiten beinhalten. Starke Sonnenbestrahlung sollte die ersten drei Monate vermieden werden, auch später ist es besser, vor allem die Narben mit Sonnenschutzmitteln (Lichtschutzfaktor 18) vor UV-Bestrahlung zu schützen.

Das Resultat

Da der Heilungsprozess einige Zeit in Anspruch nimmt, kann das Resultat frühestens nach zwei Monaten beurteilt werden. Abhängig ist das Ergebnis unter anderem von der Hautelastizität, die in manchen Fällen nicht mehr gegeben ist. Wenn sich die Haut nach der Fettabsaugung nicht genügend strafft, ist eine operative Entfernung der überschüssigen Haut nötig. Sind keine Komplikationen aufgetreten, ist das Ergebnis dauerhaft - einmal abgesaugte Fettzellen wachsen nicht mehr nach.

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