Diabetes bei Katzen – was Sie als Tierbesitzer tun können

Geschrieben von Sabine Kunde Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 04 Mai 2017
Diabetes ist bei Katzen gar nicht so selten © ulianna19970 - Fotolia.com
Diabetes ist bei Katzen gar nicht so selten © ulianna19970 - Fotolia.com

 

Meine Katze Lilly räkelt sich wohlig auf einem ihrer zahlreichen Schlafplätze. Sie ist eine von diesen Katzen, die man einfach gernhaben muss. Katze Diabetes LillyVerschmust, aufmerksam, unkompliziert. Lilly ist mittlerweile 17 Jahre alt und seit knapp 3 Jahren bei mir. Vorher saß sie leider 15 Monate im Tierheim Berlin, obwohl sie ein ganz bezauberndes Wesen ist. Das Problem: Lilly hat Diabetes mellitus. Viele Menschen trauen sich den Umgang mit dieser Erkrankung offenbar nicht zu oder scheuen den Aufwand, der damit verbunden ist. Die schlechte Nachricht ist, dass es sich tatsächlich um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt, mit der man sich zunächst intensiv auseinandersetzen muss. Die gute ist jedoch, dass Katzendiabetes gut behandelbar ist und ihre Katze mit der richtigen Behandlung uralt werden kann.

Diabetes bei Katzen vorbeugen

Wie bei so vielen Erkrankungen gilt auch bei Diabetes: Vorbeugung ist besser als Heilung. Falsche Ernährung ist so gut wie immer ein Faktor bei der Entstehung eines Diabetes, oftmals der einzige. Katzen würden Mäuse kaufen! Sie sind reine Fleischfresser. Zucker gehört ebensowenig ins Katzenfutter wie nennenswerte Mengen anderer Kohlenhydrate, wie Getreide, Reis und K6artoffeln. Leider sind einige Futtersorten reine Zuckerbomben. Seien Sie misstrauisch und lesen Sie die Zutatenliste von Katzenfutter, insbesondere bei Nassfutter mit Soße oder Gelee. 

Auch dem Trockenfutter wird oft Zucker (und Getreide) zugesetzt, weil es billige Füllstoffe sind. Für Trockenfutter spricht eigentlich nichts, es sei denn Sie setzen es gelegentlich zur Zahnpflege ein oder als Belohnung in kleinen Mengen. Grundsätzlich ist Trockenfutter für Katzen ungünstig, da es sehr wenig Feuchtigkeit enthält und die meisten Katzen ohnehin schon dazu neigen, zu wenig Flüssigkeit aufzunehmen. Wenn Sie gesund und katzengerecht füttern, minimieren Sie das Risiko eines Diabetes ganz erheblich.

Diagnose von Diabetes mellitus bei Katzen

Wenn Ihre Katze jedoch plötzlich viel trinkt und Harn absetzt, vermehrt Appetit hat und dennoch abnimmt, sollten Sie aufmerksam werden. Manche Tiere werden außerdem apathisch und ziehen sich zurück, andere sind ungewöhnlich hektisch. Bitte gehen Sie mit Ihrer Katze zum Tierarzt! Die Diagnose des Diabetes erfolgt per Bluttest. Um auszuschließen, dass ein Glukosewert nur momentan erhöht ist, wird zusätzlich der Langzeitzucker bestimmt, der den Glukosewert der letzten Wochen darstellt. 

Glukose ist für den Körper der Katze ebenso wie bei uns Menschen ein wichtiger Energielieferant. Produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin, um den Transport der lebenswichtigen Glukose in die Zellen zu gewährleisten, verbleibt diese im Blut und wir sprechen von Diabetes Mellitus oder auch Zuckerkrankheit.

Die Behandlung ihrer Katze

Ist Ihre Katze zuckerkrank, muss sie umgehend eine Therapie mit Fremd-Insulin bekommen. Ein nicht behandelter Diabetes hat ernstzunehmende Folgen. So kann es beispielsweise zur Erblindung des Tieres oder zu Nierenversagen kommen. Ihr Tierarzt wird Ihnen ein geeignetes Insulinpräparat empfehlen. Es gibt Insulin für Hunde (das auch bei Katzen eingesetzt wird) und Insulin für Katzen. Verträgt Ihre Katze das Insulin aus dem Veterinärbereich nicht, kann Ihr Tierarzt ein Humanpräparat umwidmen, so dass Sie für die Behandlung Ihrer Katze nutzen können. Oft lohnt es sich, diesen Weg zu gehen, denn bestimmte Insuline für den Einsatz beim Menschen sind viel besser verträglich für Katzen. Sie wirken sanfter und nachhaltiger, so dass es nicht zu so hohen Blutzuckerschwankungen kommt. Bitte arbeiten Sie hierfür jedoch unbedingt mit Ihrem Tierarzt zusammen! Nicht jedes Humanpräparat ist für Katzen geeignet.

Die Insulinmenge muss gut eingestellt werden

Zur Einstellung des Diabetes wird Ihr Tierarzt die Katze vermutlich in der Praxis behalten, um ein Tagesprofil zu erstellen. Dabei werden über einen Zeitraum von mindestens 12 Stunden verschiedene Blutzuckerwerte bestimmt, um die richtige Insulinmenge zu ermitteln. Mit dieser Dosis starten Sie und spritzen Ihrer Katze Insulin, normalerweise morgens und abends im Abstand von 12 Stunden zusammen mit den Mahlzeiten. Wenn Ihre Katze schlecht frisst oder nach dem Fressen oft erbricht, dann warten Sie mit dem Spritzen 10 bis 15 Minuten, bis Sie wirklich sicher sein können, dass das Futter auch in der Katze bleibt. Das Spritzen von Insulin ist WIRKLICH einfach! Sie müssen lediglich die richtige Menge Insulin aufziehen, eine kleine Hautfalte nehmen, die winzige Nadel der Insulinspritze ansetzen und abdrücken. Die Nadel ist so dünn, dass Sie sich eher fragen werden, ob Sie überhaupt die Katze „getroffen“ haben. Verbinden Sie das Spritzen mit einer (zuckerfreien) Belohnung und machen Sie daraus ein Ritual, dann wird sich Ihre Katze darauf freuen. Bei sehr wehrhaften Katzen lohnt es sich, das Spritzen in mehrere Arbeitsschritte aufzuteilen: Hautfalte nehmen + Leckerlie, Spritze zeigen + Leckerlie etc. Wenn Sie mit Ihrer Katze klickern, können Sie das Spritzen in das Klicker-Training einbauen.

Die richtige Fütterung bei Diabetes

Es ist nicht notwendig, teures Spezialfutter für Diabetiker vom Tierarzt zu kaufen. Grundsätzlich kommt jedes Feuchtfutter in Frage, das unter 10% Anteil an Kohlehydraten in der Trockenmasse hat – natürlich soll es auch ohne Getreide und möglichst hoch im Fleischanteil sein. Es gibt sogar inzwischen Apps und Webseiten, mit denen Sie direkt beim Einkauf feststellen können, ob das Futter für Ihre Katze geeignet ist. Auch Frischfleisch kommt ein- bis zweimal in der Woche in Frage, nach Möglichkeit Huhn, Pute oder Lamm. Bitte auf keinen Fall rohes Schweinefleisch füttern und nach Möglichkeit auch kein Rind. Wenn Ihre alte Katze nicht mehr so gut beißen kann, lassen Sie das Fleisch durch den Fleischwolf drehen.

Kontrolle des Blutzuckerspiegels

Die Überwachung des Blutzuckerspiegels ist etwas kniffliger als das Spritzen. Dennoch lohnt es sich, sich damit auseinanderzusetzen. Katzen gehen nicht selten in Remission, d.h. dass die Katze kein Insulin mehr braucht und der Diabetes besiegt ist. Je besser Sie das Insulin dosieren und es an die Futtermenge anpassen, desto höher ist die Chance zur Remission – und grundsätzlich ist sie am Anfang höher, wenn ein Diabetes noch nicht jahrelang besteht. Es gibt Blutzuckermessgeräte, die schon mit einem kleinen Tropfen Blut funktionieren, und das Messen am Ohr tolerieren die meisten Katzen, wenn man Ihnen ausreichend Zeit gibt und Sie mit Streicheleinheiten und Leckerchen belohnt. Als Katzenbesitzer wissen Sie sicher, dass Hektik und lautes Benehmen bei unseren Samtpfoten nicht auf Gegenliebe stoßen… Je ruhiger und besonnener Sie die Sache angehen, desto eher wird Ihre Katze die Prozedur akzeptieren. Idealerweise sollten Sie den Blutzucker morgens und abends messen und wenigstens einmal im Monat ein Tagesprofil mit mehreren Werten erstellen. Lassen Sie sich und Ihrer Katze hier aber wirklich Zeit und denken Sie daran, dass Sie die Messungen nach Möglichkeit jeden Tag durchführen wollen. Idealerweise freut sich Ihre Katze schon auf ihr Futter, wenn Sie die Utensilien sieht, weil sie weiß, dass sie nach dem Messen ihre Mahlzeit bekommt.

Lilly jedenfalls hat den Dreh längst raus und macht bereitwillig mit. Sie ist eben nicht nur eine alte, sondern auch eine schlaue Katze…

Autorin: Sabine Kunde - Tierpsychologin www.hund-und-katze-aktiv.de

 

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